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Kotproben analysiert
Erster Wolf bleibt dauerhaft in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz hat sich nach Angaben von Umweltministerin Ulrike Höfken höchstwahrscheinlich dauerhaft ein Wolf niedergelassen.
In Rheinland-Pfalz hat sich nach Angaben von Umweltministerin Ulrike Höfken höchstwahrscheinlich dauerhaft ein Wolf niedergelassen. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Mainz. Wölfe wurden in den letzten Jahren immer wieder in Rheinland-Pfalz gesichtet — nun lebt wahrscheinlich ein erstes Tier dauerhaft im Westerwald. Es ist ein vierbeiniger Einwanderer aus Niedersachsen.

Nach vielen Jahren dürfte sich erstmals wieder ein Wolf dauerhaft in Rheinland-Pfalz niedergelassen haben – und zwar auf dem Gelände des früheren Truppenübungsplatzes Daaden im Kreis Altenkirchen im Westerwald. Proben von dort im August gefundenem Kot seien vom Senckenberginstitut für Wildtiergenetik untersucht worden, teilte das Umweltministerium in Mainz gestern mit. Es sei bestätigt worden, dass dort ein junges weibliches Tier – eine Fähe – gewesen sei. Es sei vermutlich dasselbe Tier, das dort bereits Mitte Mai mit einem Foto nachgewiesen worden sei.

„Eine dauerhafte Ansiedlung der Fähe am Truppenübungsplatz ist laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) daher wahrscheinlich“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne). Rein wissenschaftlich könne erst dann von einer sogenannten Territorialität gesprochen werden, wenn die Anwesenheit des Tieres über sechs Monate genetisch nachgewiesen worden sei. Das nun zweimal auf dem Gelände im Westerwald nachgewiesene Tier stammt dem Ministerium zufolge aus einem Rudel in Niedersachsen. Dieses Rudel gebe es erst seit 2016, es ziehe dort erfolgreich Junge groß.

2012 war ebenfalls im Westerwald erstmals seit über 100 Jahren wieder ein Wolf nachgewiesen worden, er wurde später illegal erschossen. Insgesamt gab es seit 2012 laut Ministerium in Rheinland-Pfalz 15 Nachweise von Wölfen, vor allem im Norden des Landes. Vermutlich waren es sechs bis neun Tiere. Mehrfach war ein genetischer Nachweis an gerissenem Wild erbracht worden. Generell vermehren sich Wölfe seit der Jahrtausendwende wieder in Deutschland. Die größten Populationen leben in Ostdeutschland und Niedersachsen.



Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte im Mai dieses Jahres angekündigt, die Kreise Altenkirchen, Westerwald, Neuwied sowie die Stadt Koblenz vorsorglich als Präventionsgebiet auszuweisen. Dadurch können dort Halter von Nutztieren leichter entschädigt werden, wenn ein Wolf Schäden verursacht. Es wird beispielsweise ein Großteil der Kosten für wolfssichere Zäune gefördert. Die Regierung will die Akzeptanz des streng geschützten Wolfes steigern.

Außerdem gibt es seit 2015 einen Managementplan des Landes zum Umgang mit Wölfen. Dort ist nach früheren Angaben des Umweltministeriums unter anderem festgelegt, dass „Problemwölfe“ getötet werden können – zum Beispiel wenn sie ständig geschützte Nutztiere erlegen oder sich mehrfach Menschen nähern. Im März vereinbarten zudem Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und das Saarland eine Zusammenarbeit im Umgang mit Wölfen. Die Tiere seien nunmal eine „hochmobile Art“, teilte das Mainzer Ministerium mit.