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Ergebnis des Agrargipfels
Meldeportal zu Nitrat-Messstellen soll kommen

 Eine Nitrat-Probenentnahme wird durchgeführt. In Rheinland-Pfalz weisen 42 von 117 Grundwasserkörper zu hohe Werte auf.
Eine Nitrat-Probenentnahme wird durchgeführt. In Rheinland-Pfalz weisen 42 von 117 Grundwasserkörper zu hohe Werte auf. FOTO: Josef Gitzinger
Bad Kreuznach. Landwirtschaftsminister Volker Wissing hatte die rheinland-pfälzischen Bauern zu einem Agrargipfel eingeladen. Im Anschluss kündigte er Maßnahmen an: Unter anderem sollen auf einem neuen Portal Hinweise zu Nitrat-Messstellen gesammelt werden.

Angesichts der Debatte um strengere Düngeregeln will Landwirtschaftsminister Volker Wissing das Nitrat-Messstellennetz im Land unter anderem mit Hilfe eines neuen Meldeportals optimieren. Auf dem Online-Portal könnten Landwirte etwa Fragen zu einzelnen Messstellen stellen, sagte der FDP-Politiker nach einem Treffen mit Bauernvertretern am Montag in Bad Kreuznach.

Auch Bürger könnten sich auf dem Portal melden. Hinweisen auf möglicherweise fehlerhafte Standorte oder Messergebnisse werde nachgegangen. Betreut werden soll dieses Meldeportal gemeinsam von der Technischen Zentralstelle des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) und dem Landesamt für Umwelt.

Neben Rheinland-Pfalz haben auch andere Bundesländer angekündigt ihr Netz an Messstellen zur Messung des Nitratgehalts im Grundwasser überprüfen oder vergrößern zu wollen, andere Länder wie beispielsweise das Saarland sehen keinen Bedarf für Nachjustierungen. Die Nitratbelastung muss zum Schutz des Grundwassers deutlich verringert werden. Weil die Werte in Deutschland schon seit Jahren zu hoch sind, hatte die EU-Kommission die Bundesrepublik beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt und 2018 Recht bekommen. Daher müssen Bund und Länder weitere Düngebeschränkungen umsetzen.



Rheinland-Pfalz wolle bei der Betrachtung der Nitratgehalte auch zu einer kleinteiligeren Betrachtung der Belastungen kommen, der sogenannten Binnendifferenzierung, sagte Wissing. Damit soll vermieden werden, dass erhöhte Nitratwerte an einer Messstelle dazu führen, dass ein vergleichsweise großes Gebiet, das an einem Grundwasserkörper, also einem unterirdischen Wasservorkommen, hängt, komplett zu einer roten Zone wird.

„Wir wollen möglichst differenziert vorgehen“, sagte Wissing. Es brauche künftig noch präzisere Daten. Wie genau dies gelingen könne, werde nun im Detail geschaut. Bei erhöhten Nitrat-Werten in einem Gebiet sei es wichtig, die in Haftung zu nehmen, die tatsächlich auch die Verursacher seien. Die Gespräche mit den Landwirten bei dem sogenannten Agrar-Gipfel in Bad Kreuznach nannte Wissing „die sachlichste Diskussion der letzten Monate“.

Die Bauern-Initiative „Land schafft Verbindung“ hatte bereits vorher betont, mit nur 255 Messstellen, sei keine ausreichend differenzierte Betrachtung der Nitrat-Belastung möglich. Anderer Meinung ist der Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz. „Am Messnetz kann noch so viel nachgebessert und optimiert werden, die Ergebnisse werden sich nicht grundlegend ändern“, sagte der wasserpolitischer Sprecher des Verbandes, Ronald Roepke, nach einer Mitteilung. Das zeigten immer gleiche Erkenntnisse unterschiedlicher Untersuchungen. Von 117 Grundwasserkörpern in Rheinland-Pfalz befänden sich 42 in „chemisch schlechtem Zustand“.

Einrichten will der Minister auch einen rheinland-pfälzischen Agrarrat. Er soll sich künftig mit den großen Agrar-Themen beschäftigen. Als Beispiele nannte Wissing den Insekten- oder Pflanzenschutz. In dem Rat sollten Vertreter der Landwirtschaft, des Umweltschutzes und externe Experten sitzen, gleichzeitig dürfte er aber nicht zu groß werden, sagte Wissing. Über die genaue Zusammensetzung müsse noch beraten werden. Der rheinland-pfälzische Bauernpräsident Eberhard Hartelt begrüßte die Einrichtung des neuen Gremiums.

 Volker  Wissing (FDP)  Minister für Wirtschaft,  Verkehr,  Landwirtschaft  und Weinbau  Foto: Arnold/dpa
Volker Wissing (FDP) Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Foto: Arnold/dpa FOTO: dpa / Andreas Arnold
(dpa)