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Ministerium sieht Land trotzdem gut aufgestellt
Mehr Lehrer gehen in andere Bundesländer

Aus Rheinland-Pfalz wandern mehr Lehrer in andere Bundesländer ab als umgekehrt.
Aus Rheinland-Pfalz wandern mehr Lehrer in andere Bundesländer ab als umgekehrt. FOTO: Christian Charisius / picture alliance / dpa
Mainz. Mehr Lehrer gehen von Rheinland-Pfalz in andere Bundesländer als umgekehrt. Im Wettbewerb sieht sich das Mainzer Bildungsministerium aber gut aufgestellt: Anders als in Hessen konnten alle Planstellen an Grundschulen besetzt werden.

Aus Rheinland-Pfalz gehen mehr Lehrer in andere Bundesländer als umgekehrt – im zunehmend schärferen Wettbewerb um Lehrkräfte sind die Schulen zwischen Pfalz und Westerwald aus Sicht des Bildungsministeriums aber gut aufgestellt. Anders als in Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg seien alle Planstellen an Grundschulen besetzt, sagte der Mainzer Bildungs-Staatssekretär Hans Beckmann (SPD), im Fachausschuss des Landtags. „Ich bin guter Dinge, dass wir weiterhin in der Lage sind, unsere Planstellen zu besetzen.

Mindestens 265 Lehrer wechselten im vergangenen Schuljahr in andere Bundesländer – gleichzeitig kamen 183 Lehrer nach Rheinland-Pfalz. Dies geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Der negative Saldo aus Zu- und Abwanderung betrug im vergangenen Jahr also 82 – im Jahr 2014 waren es 44.

Der größte Teil der Wechsel entfällt auf das sogenannte Lehreraustauschverfahren aus familiären oder sozialen Gründen. „Irgendwann müssen wir sie ziehen lassen, es gibt keine Leibeigenschaft bei Lehrkräften“, sagte der zuständige Abteilungsleiter des Ministeriums, Michael Thews.



Gemessen an insgesamt mehr als 40 000 Lehrern in Rheinland-Pfalz sei der Umfang dieser Wechsel sehr gering, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass wir angesichts eines bundesweit aufziehenden Fachkräftemangels an Grund- und Förderschulen auch in Konkurrenz zu den angrenzenden Bundesländern stehen.“ 

Die Versetzungsanträge im Austauschverfahren sind weit höher als die tatsächlichen Versetzungen – 2017 waren es 443 Anträge bei 106 tatsächlich vollzogenen Versetzungen. Die meisten Lehrer beantragen einen Wechsel nach Baden-Württemberg (143), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (98), Hessen (92), Bayern (32) und dem Saarland (29). Nach Schulformen kamen die meisten Anträge von Lehrern an Gymnasien (185) und Grundschulen (139). Bei bewilligten Versetzungen war diese Rangfolge umgekehrt: 53 von Lehrern an Grundschulen und 27 aus Gymnasien.

Vor allem in grenznahen Regionen zu Hessen und Nordrhein-Westfalen gebe es die Tendenz zur Abwanderung von Lehrern, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer. Im Westerwald oder auch in Mainz sei dies deutlich erkennbar. „Hessen und Nordrhein-Westfalen zahlen eindeutig besser als Rheinland-Pfalz“, sagte Hammer. Die Abwanderung sei kein Massenproblem, müsse aber in Zeiten des Lehrkräftemangels genau beobachtet werden. Daher habe der DGB Rheinland-Pfalz das Finanzministerium aufgefordert, bei der Beamtenbesoldung deutlich nachzubessern.

Seit der Föderalismusreform von 2006 regeln die Länder die Vergütung ihrer Lehrer selbst. Beamte werden nach den Besoldungstabellen des Landes vergütet, angestellte Lehrer meist nach dem Tarifvertrag der Länder. In der GEW-Liste der Brutto-Einstiegsgehälter für Lehrkräfte nach dem zweiten Staatsexamen liegt Rheinland-Pfalz sowohl bei Lehrern an Grundschulen als auch bei Studienräten an Gymnasien teilweise deutlich hinter den anderen Bundesländern.