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Experten: Betreuung wichtig
Mehr Studienabbrecher in Rheinland-Pfalz?

Erstsemester-Studenten in der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Die Zahl der Exmatrikulationen an rheinland-pfälzischen Hochschulen steigt. Unklar ist aber, ob es auch mehr Studienabbrecher gibt.
Erstsemester-Studenten in der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Die Zahl der Exmatrikulationen an rheinland-pfälzischen Hochschulen steigt. Unklar ist aber, ob es auch mehr Studienabbrecher gibt. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Mainz. Klar ist, dass die Zahl der Exmatrikulationen an den Hochschulen in Rheinland-Pfalz zunimmt. Es gibt bislang aber keine Statistik, die erklärt, ob das bedeutet, dass auch mehr Studenten ihr Studium abgebrochen haben. Das Hochschulstatistik-Gesetz von 2016 soll dies auf lange Sicht ändern.

Beratungsangebote für Studenten sind nach Ansicht von Experten immens wichtig für einen erfolgreichen Studienabschluss – und auch entscheidend für weniger Studienabbrüche. Das Wissenschaftsministerium in Mainz betont zwar, dass derzeit noch keine genauen Zahlen zu Abbrechern vorliegen. Minister Konrad Wolf (SPD) sagte aber auch, trotz der begrenzten Aussagekraft der Daten zeige sich die grundsätzliche Tendenz des leichten Anstiegs bei den Exmatrikulationen. Die bewege sich im üblichen Rahmen und hänge mit der allgemeinen Entwicklung der Studierendenzahlen zusammen. Und doch sehe er einen „Handlungsauftrag an die Politik“.

Die Rahmenbedingungen an den Hochschulen müssten so gestaltet werden, dass es Studierenden möglich sei, ihren Studienverlauf entsprechend ihrer Qualifikationen und Fähigkeiten erfolgreich abzuschließen, betonte Wolf. Rheinland-Pfalz habe hier bereits Maßnahmen ergriffen. So habe sich etwa das Betreuungsverhältnis von Lehrenden und Studenten verbessert, es gebe Orientierungstests, Brückenkurse und Mentoring-Programme in der Anfangsphase des Studiums.

Hilfe speziell zu Beginn eines Studiums hält auch Kathrin Dupré vom erst kürzlich neu geschaffenen Studienerfolgsmanagement der Hochschule Mainz für wichtig. Seit diesem Semester gibt es gezielt Beratungen für Studenten, deren Studienerfolg „akut gefährdet“ ist, wie sie sagte. Studienanfänger informierten sich häufig vorab nicht genau über einen Studiengang und seien dann beispielsweise von einem hohen Anteil an mathematischen Inhalten überrascht.



Auch würden junge Menschen mit dem Start eines Studiums in einen komplett neuen Lebensabschnitt geworfen, sagte Dupré. Sie wohnten oft zum ersten Mal nicht mehr zuhause, müsste sich fortan selbst organisieren. „Da hat man dann nicht immer das Lernen ganz so im Kopf.“ Bei den Beratungen könne es etwa um Studienverlaufspläne gehen, „strategisches Studieren“, also wann man sich mit was beschäftigen sollte. Viele hätten die Regelstudienzeit ständig im Kopf. „Denen sagen wir dann: Leute, nehmt auch mal Tempo raus.“

Die Zahl der Exmatrikulationen an rheinland-pfälzischen Unis, Fachhochschulen, Verwaltungshochschulen und kirchlichen Hochschulen insgesamt ist in den vergangenen Jahren tendenziell gestiegen, wie eine Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Mainzer Landtag zeigt. Die Zahl lag 2013 bei 30 061, im vergangenen Jahr dann bei 31 814. Rechnet man die Beendigung des Studiums nach bestandener Prüfung heraus, bleibt für 2013 ein Wert von 19 146 und für das Jahr 2017 einer von 19 607.

Welche Gründe genau hinter diesen verbliebenen Exmatrikulationen stecken, gibt die bisherige Statistik nicht her, da sie nur auf Verwaltungsdaten der Hochschulen beruht, nicht aber auf Befragungen von Studenten. Wenn sich ein Student zu Beginn eines neuen Semesters nicht wieder bei seiner Hochschule meldet, ist unklar, ob ein Abbruch oder zum Beispiel ein Hochschulwechsel vorliegt. 2016 wurde dann auf Bundesebene das Hochschulstatistik-Gesetz novelliert. Wann genügend auswertbares Datenmaterial vorliegt, um valide Aussagen zu Abbrechern machen zu können, steht laut dem Mainzer Ministerium noch nicht fest.

Auch die größte Hochschule in Rheinland-Pfalz, die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität (JGU) bestätigt, dass derzeit keine validen Aussagen zur Entwicklung der tatsächlichen Abbrecherzahl getroffen werden können. Die Hochschule versuche, mit Befragungen die Motive für eine Exmatrikulation zu erfassen, könne aber nur auf freiwillige Angaben bauen. Bei Beratungen sehe sich die Johannes-Gutenberg-Universität in der Pflicht, Studierenden, die über Alternativen zum Studium nachdenken, möglichst früh zu helfen, auch um einen Ausstieg aus dem Studium in höheren Semestern zu verhindern, betonte eine Sprecherin.

Der rheinland-
pfälzische 
Wissenschafts­minister
Konrad Wolf.Foto: Dedert/dpa
Der rheinland- pfälzische Wissenschafts­minister Konrad Wolf.Foto: Dedert/dpa FOTO: dpa / Arne Dedert