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Streit um neuen Standort
Mainzer Gutenbergmuseum sucht Zukunftsort

 Blick auf das historische Gebäude „Zum Römischen Kaiser“, in dem das Gutenbergmuseum untergebracht ist.
Blick auf das historische Gebäude „Zum Römischen Kaiser“, in dem das Gutenbergmuseum untergebracht ist. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz. Die Diskussion über den Bibelturm in Mainz war hitzig. Vor mehr als einem Jahr wurde dieses Modell krachend abgelehnt. Nach dem Aus sind für das international bedeutende Gutenbergmuseum neben dem alten jetzt auch noch zwei neue Standorte im Gespräch.

Um das Gutenbergmuseum in Mainz ist es in der öffentlichen Diskussion still geworden: Rund eineinviertel Jahre nach dem Bürgerentscheid gegen den heftig umstrittenen Bibelturm auf dem Domplatz ringt eine Arbeitsgruppe um ein neues Konzept für das international bedeutende Ausstellungshaus. Drei Standorte für das Museum mit seinen wertvollen Ausgaben der Gutenberg-Bibel stehen jetzt zur Auswahl.

Neben dem aktuellen Gebäude in Dom-Nähe sind ein Grundstück am Kurfürstlichen Schloss und eins in der Nähe des Abgeordnetenhauses im Gespräch. Dazu seien öffentliche Begehungen geplant, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling der Deutschen Presse-Agentur. Der SPD-Politiker hofft auf ein „möglichst konsensuales Ergebnis“ bis Jahresende.

„Es war das höchste Gebot, die offenen Enden wieder zusammenzukriegen“, beschreibt Ebling die Aufgabe nach der hitzigen Debatte über den im April 2018 gescheiterten Bibelturm. „Die Antwort ist die Arbeitswerkstatt Gutenbergmuseum.“ Denn: „Wir hatten vor dem Bürgerentscheid eine leider unterirdische Qualität in der Debatte der widerstreitenden Interessen.“



Eine deutliche Mehrheit hatte sich beim Bürgerentscheid im April 2018 gegen den Turm ausgesprochen. Nur 22,7 Prozent votierten für den Entwurf des nach der Gutenberg-Bibel benannten Turms, der 20,5 Meter hoch werden sollte. An der Abstimmung hatten rund 40 Prozent der etwa 161 000 berechtigten Mainzer teilgenommen. Die Gegner des Bibelturms hatten vor allem die moderne Architektur auf dem Domplatz kritisiert und die Finanzierung angezweifelt. Der Turm hätte eine Fassade aus Kupferblech bekommen sollen, die mit Buchstaben perforiert gewesen wäre. Der Turm wäre wesentlicher Bestandteil für die Weiter­entwicklung des Museums gewesen, das mit seiner bisherigen Präsentation als kaum noch zeitgemäß gilt.

Die rund 20 Teilnehmer der seit Oktober 2018 tagenden Arbeitswerkstatt hätten untereinander Stillschweigen vereinbart, um wieder Vertrauen zu schaffen, sagte Ebling. Neben den Fraktionen, der Verwaltung, dem Museum und Bausachverständigen seien in der Runde vor allem die Akteure vertreten, „die in der Diskussion um den Bibelturm sehr engagiert im Für und Wider dabei waren“. Es habe auch Einigkeit darüber bestanden, das Thema nicht für die Kommunalwahl oder die OB-Wahl zu missbrauchen. „Ich habe den Eindruck, dass das funktioniert, auch wenn der Prozess dann etwas länger dauert.“

Ob dies auch im OB-Wahlkampf gelingt, ist noch offen. Die CDU schickt gegen Ebling den parteilosen Nino Haase ins Rennen – Sprecher der Bürgerinitiative Gutenberg-Museum, die sich gegen den Bibelturm stark gemacht hatte. Die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner will am 27. Oktober ebenfalls OB werden.

Der Modus der Arbeitswerkstatt sei gut gewählt und diese arbeite „nicht unkonstruktiv“, die Moderation sei „ganz gut“, sagte Haase. Unabhängig davon müsse Gutenberg aber im OB-Wahlkampf „als Marke beleuchtet werden“, allzumal die Stadt ja auf das Land und den Bund zugehen wolle.

Der Museumsbau hat nach Angaben der Stadt gravierende Mängel beim Brandschutz, und die Ausstattung ist veraltet. Um eine Schließung zu verhindern, sei eine umfassende Erweiterung und Sanierung notwendig. „Es bleibt im Interesse der Stadt, Land und Bund in die Trägerschaft des Museums einzubinden“, sagte Ebling. Dazu werde weiterhin das Gespräch zwischen der Stadt, dem Land und dem Bund gesucht. Nach Darstellung Haases ist bereits klar, „dass eine Sanierung im Bestand nicht machbar ist“.

Wie groß ist der Zeitdruck? Das Museum sei gerade aus Brandschutzgründen mit Fluchttreppen versehen worden, sagte Ebling. „Das ist ein Zustand, der nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden kann.“ Das empfänden die Beteiligten als positiven Druck. „Niemand will die Diskussion um die Zukunft des Museums länger hinausziehen.“ Aber es gibt auch keinen konkreten Termin für das Ende der Arbeitswerkstatt.

Die Bedeutung Gutenbergs und der Zusammenhang zu seiner Geburtsstadt und Wirkungsstätte Mainz seien enorm, betonte Ebling. „Er ist nicht nur der bedeutendste Sohn dieser Stadt und Man of the Millennium. Er hat eine Medienrevolution ausgelöst und ist in der Verbindung auch Unternehmer und Erfinder eines mittelalterlichen Start-ups, das die Welt verändert hat“, sagte Ebling. Das „Time-Life-Magazin“ hatte Gutenberg 1998 zum „Man of the Millennium“ (Mann des Jahrtausends) gewählt. Das Museum habe weltweite Ausstrahlung, die aber eine Übersetzung ins 21. Jahrhundert brauche, fügte der OB hinzu.

 Die Computer-Visualisierung zeigt den am Mainzer Gutenberg-Museum ursprünglich geplanten Bibelturm.
Die Computer-Visualisierung zeigt den am Mainzer Gutenberg-Museum ursprünglich geplanten Bibelturm. FOTO: dpa / Gutenberg-Museum