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Mächtiger Mann im Hintergrund

Der Leiter der Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, gilt als einer der engsten Vertrauten von Kurt Beck. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Der Leiter der Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, gilt als einer der engsten Vertrauten von Kurt Beck. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Mainz. Martin Stadelmaier betritt sein Büro. Es ist ein großer Raum mit einem Fernseher in der Mitte und einem langen Konferenztisch. Hinter dem Schreibtisch hängt ein Foto von Kurt Beck. Bilder rheinland-pfälzischer Künstler zieren die Wände.Für die Werke von Rolf Müller-Landau hat Stadelmaier ein Auge gehabt Von Merkur-Korrespondent Frank Giarra

Mainz. Martin Stadelmaier betritt sein Büro. Es ist ein großer Raum mit einem Fernseher in der Mitte und einem langen Konferenztisch. Hinter dem Schreibtisch hängt ein Foto von Kurt Beck. Bilder rheinland-pfälzischer Künstler zieren die Wände.Für die Werke von Rolf Müller-Landau hat Stadelmaier ein Auge gehabt. Er hat sie entdeckt, als sie im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Bonner Petersberg hingen, und sie sich als Leihgabe gesichert. Auge und Gespür: Das sind zwei Attribute, die Stadelmaier in seinem Job als Chef der Staatskanzlei auszeichnen.

Manche nennen den großen, hageren 53-Jährigen Gespenst, weil sie ihn kaum zu Gesicht bekommen und doch wissen, dass er politisch allgegenwärtig ist. Für andere ist er der Strippenzieher schlechthin. Auf jeden Fall gilt Stadelmaier als exzellenter Krisenexperte, der seinem Chef Kurt Beck seit neun Jahren den Rücken frei hält. "Er ist ein kluger, fleißiger Politikmanager, der auch in schwierigen Situationen belastbar ist", urteilt etwa SPD-Fraktionschef Hendrik Hering.

Der gebürtige Bonner, verheiratet, neunjähriger Sohn, wirkt für viele unscheinbar. Er legt auch keinen Wert auf Aufmerksamkeit: "Ich habe es immer als Vorzug empfunden, nicht wie Minister in der stetigen öffentlichen Rechtfertigung zu stehen."



Stadelmaier weiß so früh wie kaum ein anderer, was in der Landespolitik läuft. "Der Computer und das Telefon sind meine Arbeitsmittel", sagt er. Er suche stets das persönliche Gespräch. Den Kurznachrichtendienst Twitter oder soziale Netzwerke wie Facebook meidet der Mainz-05-Fan lieber.

Der Mann, der im Rang eines Staatssekretärs - besser bezahlt als die anderen - die Behörde Staatskanzlei leitet und für die administrative und politische Koordinierung der Landesregierung verantwortlich ist, sieht sich in erster Linie als "Treuhänder unterschiedlicher Interessen". Man müsse sich mit solider Sachkenntnis und politischem Verstand in Prozesse einarbeiten und erkennen, wie sie zu einem guten Ergebnis führen. Kommunizieren, Vertrauen aufbauen, fair und verlässlich sein - diesen Maximen folgt er.

Für politische Krisen - Stadelmaier redet lieber von Interessenkonflikten - gibt es in der Staatskanzlei ein Frühwarnsystem. Der Sozialdemokrat, der für die Parteiarbeit weder als ehemaliger Amtschef der Landesvertretung in Bonn und Berlin (1994-2003) noch als Chef der Staatskanzlei je richtig Zeit hatte, beschreibt es so: "Wenn Dinge ungelöst sind, wenn Leute kommen und sagen 'wisst ihr eigentlich, wie das vor Ort wirkt?', muss man hellhörig werden." Selbstverständlich würden auch die Medien sehr sorgfältig ausgewertet.

Stadelmaier gilt als gewiefter Stratege. In all den Jahren hat er dafür gesorgt, dass etliche Brandherde möglichst geräuschlos gelöscht wurden. Nur an einer Stelle ist ihm das bislang nicht gelungen. "Der Nürburgring", sinniert Stadelmaier, "ist sehr schwierig und trübt das Bild der Vorgängerregierung schon sehr." Gemeint ist die SPD-Alleinherrschaft in Rheinland-Pfalz von 2006 bis 2011. Unter Rot-Grün sei man sich in der Vorgehensweise und dem Ziel einig: "Man kann die Probleme nicht in einem Schritt lösen, sondern nur in mehreren Teilschritten." Für ihn sei das Entscheidende, dass die Richtung stimme. Stadelmaier lobt an dieser Stelle das "sehr ergebnisorientierte und gute Miteinander" mit den Grünen. Das muss er einerseits, doch er meint es auch so.

Sich Martin Stadelmaier ohne Kurt Beck vorzustellen, ist praktisch unmöglich. Der Regierungschef hat den Rheinländer in sein Kabinett geholt und vertraut ihm blind. Sie sind befreundet. Das Angenehme an Beck sei, dass er offen und sehr selbstkritisch sei und im kleinen Kreis "das ganz offene Gespräch" verlange. Beide hätten die gleichen politischen Grundüberzeugungen.

Wenn bald die Ära Beck endet, wird sich auch Stadelmaier neuen Aufgaben widmen müssen. Im Grunde weiß er das, wenngleich er anmerkt, es gebe durchaus Chefs von Staatskanzleien in Deutschland, die zwei Ministerpräsidenten gedient hätten.

Schließlich merkt er an: "Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass sich Möglichkeiten ergeben werden." Welche, verrät der Taktiker, für den Verschwiegenheit zum Metier zählt, natürlich nicht. Jedenfalls wird Stadelmaier mehr Zeit haben für sein Hobby Motorradfahren. Wer weiß, was er dabei mit seinem Auge und Gespür alles entdeckt.