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Vorbild Baden-Württemberg
Lewentz will Tattoo-Verbot für Polizei lockern

Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz will wie in Baden Württemberg oder in Sachsen (Bild) das Tattoo-Verbot für Polizisten lockern.
Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz will wie in Baden Württemberg oder in Sachsen (Bild) das Tattoo-Verbot für Polizisten lockern. FOTO: Sebastian Kahnert / dpa
Mainz. Sichtbare Tätowierungen etwa auf den Armen sind für Polizisten in Rheinland-Pfalz bislang tabu. Nun will die Landesregierung das strenge Verbot etwas lockern. Es gibt aber weiterhin kritische Stimmen.

Rheinland-pfälzische Polizisten sollen künftig auch mit kleinen, sichtbaren Tätowierungen Dienst schieben können. Innenminister Roger Lewentz (SPD) will das Tattoo-Verbot lockern. Große sichtbare Tätowierungen soll es aber auch künftig nicht geben. Bisher sind den Polizeibeamten im Land nach einem Rundschreiben von 2014 nur dann Tattoos erlaubt, wenn sie beim Tragen kurzärmeliger Hemden nicht zu sehen sind. Sie dürfen außerdem nicht gegen die Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verstoßen, sexuell diskriminierend oder gewaltverherrlichend sein – das steht aber ohnehin nicht zur Debatte.

Tattoos und Piercings können eine unbewusste negative Wirkung auslösen – das ergaben Studien mit rund 850 Bürgern in Rheinland-Pfalz. Von Tätowierung, Piercing und Tunnel hat das Tattoo den größten negativen Effekt, wie aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des CDU-Innenpolitikers Matthias Lammert hervorgeht. Eine der Untersuchungen ergab, dass tätowierte Polizistinnen und Polizisten weniger freundlich, vertrauenswürdig, kompetent und sympathisch wirken als nicht tätowierte. Männliche Polizisten wirken allerdings durchsetzungsfähiger und bedrohlicher.

Das Land will auf die Ergebnisse reagieren, aber offen für guten Nachwuchs bleiben. „Wir wollen, dass Polizeibeamte im öffentlichen Ansehen als seriös gelten und allgemein akzeptiert werden“, sagte Lewentz. Das reiche von der Sauberkeit der Uniform bis zu Piercings und Tattoos. „Das hat etwas mit dem Vertrauen in die Polizei zu tun. Rheinland-Pfalz ist ein sehr ländlich strukturiertes Bundesland, da legt man auf so etwas noch Wert. Ich weiß aber auch, dass junge Menschen heute mit dem Thema Tätowierungen viel offener umgehen als früher.“ Er betonte: „Deshalb wird es Möglichkeiten geben, kleine Tätowierungen zuzulassen, aber großflächige Tattoos im Sichtbereich halte ich für sehr schwierig.“



Nach Angaben von Polizeiinspekteur Jürgen Schmitt gingen Respekt und Vertrauen der Studie zufolge beim Zeigen von Bildern mehr und mehr verloren, je deutlich sichtbarer Tattoos gestaltet waren. „Die Gefahr von Angriffen, von Widerständen und Pöbeleien steigt mit diesen äußerlichen Merkmalen“, sagt er. „Wenn dem so ist, dann können wir diese deutlich sichtbaren Elemente nicht zulassen.“

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Rheinland-Pfalz, Ernst Scharbach, sieht Tätowierungen sehr kritisch. „Ich (...) fühle mich durch diese Umfrage auch bestätigt“, sagte Scharbach. „Ich bin auf der anderen Seite ein großer Freund von Individualismus.“ Das habe aber bei der Polizei Grenzen. Er sei gespannt, wie sich das Ministerium eine leichte Lockerung vorstelle. Innerhalb der Polizei wird der Umgang mit Tattoos sehr unterschiedlich gesehen.

Die Grünen im Landtag zeigen sich offen für eine Änderung. „Generell stehen wir Grünen einer Lockerung des Tragens sichtbarer Tattoos offen gegenüber, aber selbstverständlich darf das nicht die Tätigkeit der Polizei konterkarieren“, sagte Innenpolitikerin Pia Schellhammer. Sie verwies aber auf mögliche Probleme bei einer zu pauschalen Definition: „Ein kleines Tattoo mit einer bestimmten politischen Aussage, die die Neutralität infrage stellt, kann auch dem Dienst entgegenstehen. Deshalb wäre es gut, wenn Experten das bewerten.“ Der Landtag muss einer Neuregelung allerdings nicht zustimmen.

Im vergangenen Jahr wurden bei fast zwei Prozent von rund 4900 Bewerbern Tätowierungen festgestellt. Sechs Bewerber seien abgelehnt worden, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Mit drei Bewerbern wurde vereinbart, dass das Tattoo bis zur Einstellung verschwunden sein soll. Im Jahr zuvor wurden bei 1,4 Prozent der Bewerber Tätowierungen festgestellt, vier wurden abgelehnt, fünf Bewerber sollten die Tattoos bis zur Einstellung entfernen lassen.

In Baden-Württemberg und in Berlin hat die Polizei ihre Vorgaben für Tätowierungen bereits gelockert. Im Südwesten sind auch dezente Tattoos an Stellen erlaubt, die nicht von der Uniform verdeckt werden. Berliner Polizisten dürfen seit Januar Tätowierungen auch sichtbar tragen. Bis dahin waren nur sehr kleine Tattoos erlaubt.