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Land spricht sich für Hoch- und Idarwald aus

 Die Skulptur "Windklang" steht im Idarwald nahe dem Gipfel des Erbeskopf. In der Region soll nach dem Willen der Landesregierung der erste Nationalpark in Rheinland-Pfalz entstehen. Foto: Thomas Frey/dpa
Die Skulptur "Windklang" steht im Idarwald nahe dem Gipfel des Erbeskopf. In der Region soll nach dem Willen der Landesregierung der erste Nationalpark in Rheinland-Pfalz entstehen. Foto: Thomas Frey/dpa
Börfink. Die Weichen für einen Nationalpark im Hoch- und Idarwald sind gestellt. "Hier und heute kann die Geburtsstunde eines Nationalparks im Hunsrück sein", sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) gestern in Börfink im Kreis Birkenfeld Von dpa-Mitarbeiterin Birgit Reichert

Börfink. Die Weichen für einen Nationalpark im Hoch- und Idarwald sind gestellt. "Hier und heute kann die Geburtsstunde eines Nationalparks im Hunsrück sein", sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) gestern in Börfink im Kreis Birkenfeld. Der Hochwald im Südwesten des Hunsrücks sei eine Region mit einzigartiger Naturvielfalt und hervorragend geeignet, erster Nationalpark des Landes zu werden.Daher trete das Land nun offiziell mit der Region - als erste landesweit - in eine zweite Phase, in der ein intensiver Dialog mit Bürgern, Verbänden und Kommunen geführt werde. Am Ende der zeitlich unbefristeten Phase werde eine Entscheidung getroffen. "Wir werden dann hoffentlich das Ergebnis haben, dass wir es machen, aber der Prozess ist ergebnisoffen", sagte Umweltstaatssekretär Thomas Griese.

In einem Nationalpark wird die Natur überwiegend sich selbst überlassen. Etwa drei Viertel der Fläche müssen ungenutzt bleiben. Auf den Wegen darf aber gewandert, Rad gefahren und geritten werden. In Deutschland gibt es bislang 14 Nationalparks.

"Der Hochwald ist ein Schatzkästchen der biologischen Vielfalt", sagte Griese. Daher habe das Bundesamt für Naturschutz die Region auch als einen von deutschlandweit 30 "Hotspots" ausgewiesen. Es gebe einen großen Anteil von Buchenwald, Nasswiesen und Quellen mit schützenswerten Tieren wie Wildkatze, Schwarzspecht, Storch und neuerdings auch Luchs. "Wir haben hier einen Naturschatz, der sich vor unseren Augen und Ohren auftut", sagte Griese.



Die vom Land favorisierte Variante umfasse auf rheinland- pfälzischer Seite rund 7000 Hektar mit einem Buchenwaldanteil von 60 Prozent und Naturschutzgebieten von etwa 660 Hektar. Mit einem "Zipfel" im Saarland wachse der Nationalpark auf 8000 bis 8500 Hektar.

Mit Blick auf die Soonwald-Region, in der in den vergangenen Wochen die Zustimmung für einen Nationalpark gestiegen sei, sagte Höfken: "Der Tür für den Soonwald ist nicht zu." Im Fall einer Interessenbekundung aus dem Landkreis Bad Kreuznach müsse aber eine Abstimmung mit dem Hochwald erfolgen, sagte sie. Die anderen Regionen, die zunächst im Gespräch waren - etwa der Pfälzerwald - hätten kein Interesse an einem Nationalpark gezeigt, sagte Griese. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2016 solle die Schutzzone endgültig stehen.

"Der Nationalpark ist für den Kreis Birkenfeld eine große Chance", sagte Landrat Matthias Schneider. "Wir sehen den Park auch als wirtschaftliches Projekt zur Strukturförderung." In den vergangenen Jahren habe man "außer Militär und Edelsteinen" nicht viel gehabt.

Hintergrund

Der Hochwald-Idarwald ist ein großes Waldgebiet im Südwesten des Hunsrück. Er liegt zu weiten Teilen im Naturpark Saar-Hunsrück mit dem Kreis Birkenfeld als Kernzone. Zum möglichen ersten Nationalpark in Rheinland-Pfalz gehört auch der mit 816 Metern höchste Berg des Landes - der Erbeskopf im Kreis Bernkastel-Wittlich. Der östlich von Hermeskeil liegende Teil des Hoch- und Idarwaldes weist eine Fläche von mehr als 27 000 Hektar aus - wovon etwa 18 400 Hektar Staatswald sind. Der Hochwald reicht bis ins Saarland hinein. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz umfasst der Hochwald-Idarwald eine Fläche von 417 Quadratkilometern. dpa