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Bistumsreform
Kritiker werfen Trierer Bischof Spaltung vor

 Die Bistumsreform des Bistums Trier (hier der Trierer Dom) ist stark umstritten. 
Die Bistumsreform des Bistums Trier (hier der Trierer Dom) ist stark umstritten.  FOTO: dpa / Silas Stein
Trier. Der Ton im Bistum Trier ist mittlerweile reichlich rau geworden. Die neue, gestern vorgestellte Umfrage zur umstrittenen Reform befeuert die Diskussion jetzt zusätzlich. Von Rolf Seydewitz

Der promovierte Jurist und Ex-Manager Harald Cronauer weiß, wie man sich Gehör verschafft. Da haut man einen pointierten Satz heraus – und schon findet man sich in den Medien wieder. Seit Cronauer Sprecher der Initiative Kirchengemeinde vor Ort ist, sind die Bistumskritiker häufig zu hören. So oft, dass Triers Bischof Stephan Ackermann und seinen Mitarbeitern wohl schon so manches Mal die Zornesröte ins Gesicht stieg.

Das dürfte dieses Mal nicht anders sein, auch wenn die offizielle Stellungnahme aus der Bistumsverwaltung am Freitag Gelassenheit vermitteln sollte. „Wir sind auf einem guten, wenn auch nicht spannungsfreien Weg“, lautete die von einer Sprecherin verkündete Botschaft, nachdem gerade einen guten Kilometer Luftlinie entfernt die Ergebnisse einer Umfrage unter Katholiken aus dem Bistum veröffentlicht worden waren. Mit einem aus Sicht des Bistums verheerenden Ergebnis: Die Gläubigen lehnen die Reform überwiegend ab, wollen ihre alte Pfarrei nicht aufgeben und denken über einen Stopp ihres ehrenamtlichen Engagements oder sogar den Austritt aus der Kirche nach.

Das sind aus Sicht des Trierer Bischofs ziemlich schlechte Nachrichten. Und sie werden nicht besser, wenn Initiativensprecher Harald Cronauer sie auch noch kommentiert. Er sagt bei der Präsentation der Ergebnisse Sätze wie „Wir wollen die durch den Bischof geschaffene Spaltung der Kirche beenden“. Oder: „Niemals wird man gegen den Willen von zwei Dritteln der Gläubigen und der meisten Priester eine solche Reform durchziehen.“ Und: „Die Missachtung der Menschen muss aufhören.“



Kurz zuvor hat Gerd Heinemann vom Kölner Marktforschungsinstitut abh Market Research, das von der Initiative beauftragt wurde, eine Folie an die Wand geworfen, auf der mit großen Buchstaben steht, dass der Bischof große Kritik erfahre. Und dass nur 13 Prozent der Befragten meinten, dass Stephan Ackermann mit der Strukturreform seinem Hirtenamt gerecht werde. Ein bisschen weiter unten steht – etwas kleiner gedruckt –, dass fast jeder Zweite auf die entsprechende Frage mit den Schultern gezuckt und geantwortet hat: „weiß nicht.“

Aber natürlich haben auch 42 Prozent gesagt, dass der Trierer Bischof mit der XXL-Reform seinem Hirtenamt nicht gerecht werde. Neben den vielen Zahlen, die aus Sicht des Bistums natürlich nicht erfreulich, wenn auch wenig überraschend sind, hat die Initiative an diesem Tag aber auch noch ein Kompromissangebot im Gepäck. Sollte der Trierer Bischof die von ihm angestoßene Reform doch noch aussetzen, könne man gemeinsam nach einer Lösung Ausschau halten, die alle Christen im Bistum mittragen könnten. Wie dieser Kompromiss aussehen könnte, wird im Fazit der Umfrage angedeutet: 61 Prozent der Gläubigen sind demnach dafür, statt auf 35 XXL-Pfarreien sich auf die erst vor wenigen Jahren gebildeten 172 Pfarreiengemeinschaften zu konzentrieren. Ein Vorschlag, mit dem man im Bistum kaum offene Türen einrennen dürfte.

 Harald Cronauer, der Sprecher der Initiative Kirchengemeinde vor Ort.
Harald Cronauer, der Sprecher der Initiative Kirchengemeinde vor Ort. FOTO: Facebook/Cronauer