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Absturz
Knapp an der Katastrophe vorbei

 Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16 startet auf der Airbase Spangdahlem. Ein Jet dieses Typs ist bei Zemmer-Rodt abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.
Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16 startet auf der Airbase Spangdahlem. Ein Jet dieses Typs ist bei Zemmer-Rodt abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. FOTO: dpa / Boris Roessler
Zemmer-Rodt. Im Oktober stürzte bei Zemmer-Rodt ein US-Kampfjet ab und zerschellte im Wald. Von Bernd Wientjes

Die knapp 1000 Einwohner von Zemmer-Rodt sind am 8. Oktober knapp einer Katastrophe entgangen. Kurz nach 15 Uhr krachte an dem Dienstag ein US-Kampfjet vom Typ F 16 in den nur wenige Hundert Meter von dem Ort liegenden Wald. Die Maschine schlug eine ein Kilometer lange Schneise und zerschellte. Die Trümmerteile waren auf zwei Hektar verteilt. Der Pilot rettete sich kurz vor dem Absturz mit dem Schleudersitz aus der Maschine. Er wurde bei Dodenburg, knapp zehn Kilometer von dem Absturzort, von Rettungskräften gefunden. Die F 16 ist von dem Moment, als der Pilot das Flugzeug verlassen hat, führerlos weitergeflogen, bevor es dann im Wald zerschellte.

Noch immer ist unklar, warum es zu dem Unglück gekommen ist. Der Kampfjet war kurz zuvor zu einem Übungsflug von der nahe gelegenen US-Airbase Spangdahlem gestartet. Am Tag zuvor hat eine groß angelegte Übung des 52. Jagdgeschwaders, zu der die F 16 gehörte, auf dem Luftwaffenstützpunkt begonnen. Nach dem Absturz blieben alle dort stationierten Maschinen dieses Typs zunächst mal am Boden.

Fluglärmkritiker forderten anschließend eine Änderung der Flugrouten für militärische Übungsflüge. Der Ortsbürgermeister von Zemmer-Rodt, Edgar Schmitt, sprach sich genau wie der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe dafür aus, dass die Flüge nicht mehr über bewohntes Gebiet führen sollten. Ein Großteil der Region liegt in der Übungszone TRA Lauter, in der Luftwaffen verschiedener Länder Manöver durchführen können. Das führt immer wieder zu Beschwerden wegen Fluglärms.



Doch es ist nicht nur der Lärm, was die Bürger von Zemmer-Rodt nach dem Absturz umtreibt. Es ist auch die Ungewissheit, ob möglicherweise doch Schadstoffe von der zerschellten und teilweise verbrannten F 16 in den Waldboden gelangt sein könnten. Ein von der Bundeswehr, die nach dem Unglück die Sicherung des betroffenen Waldstückes übernommen hat, in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass lediglich geringe Mengen des hochgiftigen Hydrazins in den Boden gelangt sein können. Hydrazin wird von den Jets diesen Typs als Reservetreibstoff verwendet, um die Maschinen in Notfällen steuerungsfähig zu halten. Ansonsten gebe es keine Belastungen des Trinkwassers, heißt es in dem Gutachten. Daran zweifelt der Ortsbürgermeister von Zemmer-Rodt aber. Er befürchtet, dass die gesamte Absturzstelle und vor allem die dort noch stehenden Baumstümpfe und die bei den wochenlangen Aufräumarbeiten durch die US-Streitkräfte gefällten Bäume belastet sein könnten. Schmitt fühlt sich von den deutschen und den amerikanischen Behörden im Stich gelassen.

Nach Auskunft der US-Airbase könnte die Aufklärung der Absturzursache noch Monate dauern.