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Kita-Betreuung
Kitas in Rheinland-Pfalz laut Studie unterbesetzt

Mainz/Gütersloh. Um Kinder vernünftig zu betreuen, müssten die Kitas im Land 4300 zusätzliche Mitarbeiter einstellen, heißt es in einer Studie. In Zweibrücken ist der Personal-Schlüssel mit am schlechtesten.

(dpa) In den Kitas und Kindergärten in Rheinland-Pfalz gibt es einer Studie zufolge trotz vieler neuer Betreuer noch immer zu wenig Personal. Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssten zusätzlich 4300 Vollzeit-Mitarbeiter angestellt und weitere 192 Millionen Euro jährlich investiert werden, heißt es in dem gestern veröffentlichten „Bildungsreport“ der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh.

Allerdings habe sich das Betreuungsverhältnis in den vergangenen Jahren positiv entwickelt – und nicht überall im Land fehlten heute Mitarbeiter: In knapp der Hälfte der Kreise entspricht die Zahl der Betreuer in Kindergärten den Empfehlungen oder kommt diesen sehr nah. In Kitas wird das in weniger als einem Viertel der Kreise erreicht.

In den Kindergärten kümmerte sich laut der Studie jeder Vollzeitmitarbeiter in Rheinland-Pfalz um 8,6 Kinder. Es sollten jedoch 7,5 Kinder sein, meint die Stiftung. Mit 8,6 sei die Betreuungsrelation etwas ungünstiger als im westdeutschen Schnitt. Im Jahr 2012 waren es in Rheinland-Pfalz noch 9,7 Kinder pro Mitarbeiter.



In den Kitas kümmerte sich in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr rein rechnerisch jede Vollzeitkraft um 3,5 Kinder. Das sei der günstigste Schlüssel nach Baden-Württemberg und Bremen. Laut der Empfehlung der Stiftung sollten es allerdings drei Kinder sein. Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat sich die Lage verbessert: Damals kamen auf jeden Mitarbeiter vier Kinder.

Die Zahlen in Rheinland-Pfalz gehen laut der Untersuchung übrigens stark auseinander: Den schlechtesten Kita-Personalschlüssel unter den Kreisen weisen der Donnersbergkreis und Bad Dürkheim  auf. Dort kommen auf jeden Mitarbeiter 4,7 bis 4,5 Kinder. Bei den Kindergärten ist das Verhältnis in Zweibrücken, Pirmasens, Frankenthal Worms, und Kusel (alle über zehn) am schlechtesten. Wie es zu den großen Unterschieden kommt, hatte der Landkreistag am Tag der Veröffentlichung noch nicht analysiert.

Das Mainzer Bildungsministerium erklärte, der Fachkraft-Kind-Schlüssel der Bertelsmann-Stiftung sei nur eine von vielen Empfehlungen. Um den Bedarf an Erziehern so weit wie möglich zu decken, seien die Ausbildungszahlen in einem Jahrzehnt von 2960 auf 5330 Schüler erhöht worden. Auch sei die Ausbildung für Umschüler attraktiver gestaltet worden.

 Nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz hat der Mangel an Fachkräften negative Folgen für die Kinder. „Die Bildungsarbeit im Kindergarten läuft ganz viel über Beziehung – und es braucht Zeit für eine Beziehung“, sagte GEW-Sekretär Ingo Klein. Fehle diese Zeit, könne etwa nicht genug Sprache geübt werden.

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