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Weniger Mitglieder
Kirchen im Land verlieren weiter Mitglieder

 Immer weniger Mitglieder verzeichnen die Kirchen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das liegt in erster Linie am demographischen Wandel.
Immer weniger Mitglieder verzeichnen die Kirchen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das liegt in erster Linie am demographischen Wandel. FOTO: picture alliance / dpa / Ingo Wagner
Speyer. Hauptursache ist der demographische Wandel. Allerdings hat sich die Zahl der Austritte im Vergleich zum Vorjahr verringert.

() Die Mitgliedszahlen der beiden großen christlichen Kirchen in Rheinland-Pfalz und im Saarland sind im Jahr 2016 weiter zurückgegangen. Allerdings hat sich die Zahl der Austritte im Vergleich zum Vorjahr verringert. Hauptverantwortlich für die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder bleibt der demografische Wandel. Das geht aus den vergangene Woche veröffentlichten Zahlen der Landeskirchen und der Bistümer zum kirchlichen Leben hervor.

Die Evangelische Kirche der Pfalz liegt beim Mitgliederschwund ziemlich genau im bundesweiten Trend. Im Jahr 2016 sei die Zahl der Mitglieder um über 8000 (1,51 Prozent) auf 526 034 gesunken, teilte die Landeskirche in Speyer mit. Die Zahl der Austritte sei um rund zwölf Prozent (549 Personen) auf 4198 zurückgegangen. Im selben Zeitraum habe es landeskirchenweit 5204 evangelische Taufen und Eintritte gegeben. Signifikant bleibe die hohe Zahl der Beerdigungen: 7358 Menschen wurden 2016 bestattet.

Die Landeskirche freue sich über den Rückgang der Austritte, bedauere aber zugleich die immer noch zu hohe Zahl von Menschen, die ihre Heimat in den pfälzischen und saarpfälzischen Gemeinden nicht mehr finden könnten, sagte Oberkirchenrat Dieter Lutz. Das für das Statistikreferat zuständige Mitglied der Kirchenleitung bedauerte zudem, dass in der Mehrheit der Fälle die Kirche erst im Nachhinein von einem Austritt erfahre und das Gespräch mit Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen Kirchenvertretern nicht gesucht werde.



Im Bistum Speyer, das ebenso wie die pfälzische Landeskirche die Pfalz und den Saarpfalzkreis umfasst, hat die Zahl der Mitglieder gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um rund 8000 Menschen abgenommen. Aktuell gehörten etwa 537 000 Frauen und Männer im Bistum der katholischen Kirche an, teilte das Bistum mit. Die Zahl der Austritte betrug im vergangenen Jahr etwa 4000, im Jahr 2015 waren es noch 5400 gewesen.

Zurückgegangen ist im Bistum Speyer auch der Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher. Er beträgt nun acht Prozent gegenüber 8,5 Prozent 2015. Das bedeutet, dass jeden Sonntag rund 43 000 Menschen die katholischen Gottesdienste in der Pfalz und im Saarpfalzkreis besuchen. Vor etwa 20 Jahren sei der Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher noch mehr als doppelt so hoch gewesen, sagte der stellvertretende Generalvikar des Bistums, Josef Szuba. Die abnehmende Kirchenbindung sei jedoch ein Phänomen, das in allen westlichen Ländern zu beobachten sei.

Um fast 30 Prozent in zwei Jahren ist in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Zahl der Austritte gesunken. 2016 hätten 13 882 Mitglieder der Landeskirche den Rücken gekehrt, teilte die EKHN, die Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst, in Darmstadt mit. Dies seien rund 1700 Austritte weniger gewesen als 2015 (15 592) und knapp 6000 weniger als 2014 (19 705).

In der hessen-nassauischen Kirche hätten sich die Werte wieder den Zahlen vor dem Finanzskandal des Bistums Limburg und der Einführung eines neuen Einzugsverfahrens bei der Kirchensteuer auf Kapitalerträge angenähert (2013: 13 702 Austritte), sagte der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Stephan Krebs. „Beides hatte auch bei evangelischen Kirchenmitgliedern für Irritationen gesorgt.“

Die Evangelische Kirche im Rheinland, zu der Gemeinden in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen gehören, zählte Ende vergangenen Jahres 2,58 Millionen Mitglieder, Ende 2015 waren es noch 2,63 Millionen. Der rheinischen Kirche kehrten mit 19 079 Austritten deutlich weniger Menschen den Rücken als im Vorjahr mit 21 106. Damit gab es mehr Taufen als Austritte: Die Zahl der getauften Kinder und Erwachsenen stieg von 19 626 auf 20 598. Zugleich starben 41 581 Gemeindemitglieder.

Im Bistum Mainz, das Teile von Rheinland-Pfalz und Hessen umfasst, sind im vergangenen Jahr 6149 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damit seien die Austrittszahlen nach dem Spitzenwert von 2014 mit 8885 Austritten und 2015 mit knapp 7000 Austritten nochmals gesunken, sagte der Diözesanadministrator des Bistums, Prälat Dietmar Giebelmann. Insgesamt ist die Zahl der Katholiken im Bistum Mainz nur um rund 1800 von 742 200 im Jahr 2015 auf etwa 740 400 gesunken. Das liege vor allem daran, dass das Rhein-Main-Gebiet nach wie vor Zuzugsgebiet sei, sagte Giebelmann.

Auf dem Gebiet des Bistums Trier lebten Ende 2016 etwa 1,38 Millionen Katholiken, 1,2 Prozent weniger als 2015. Die Zahl der Austritte ist im ältesten deutschen Bistum um 17 Prozent gesunken. Verließen 2015 noch 8880 Menschen die katholische Kirche im Bistum, waren es 2016 nur noch 7394 Frauen und Männer. Zum Bistum Trier gehören die ehemaligen Regierungsbezirke Trier und Koblenz in Rheinland-Pfalz und der überwiegende Teil des Saarlands.

Auch im Bistum Limburg ist die Zahl der Kirchenaustritte erneut gesunken. 2016 erklärten 5387 Frauen und Männer ihren Austritt aus der katholischen Kirche, 2015 waren es 6172 und im Jahr davor 7911 Personen. Aktuell leben damit etwa 630 172 Katholiken im Bistum, das Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst. 2014 hatten im Bistum Limburg wegen der Finanzaffäre um den früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst fast doppelt so viele Katholiken ihren Austritt erklärt wie 2011 (4600).

(epd)