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„Menschen sind wachsamer“
Kindeswohl deutlich häufiger gefährdet

 Die deutschen Jugendämter melden einen traurigen Rekord bei der Zahl der Kindeswohlgefährdungen:50 400 in nur einem Jahr.
Die deutschen Jugendämter melden einen traurigen Rekord bei der Zahl der Kindeswohlgefährdungen:50 400 in nur einem Jahr. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Mainz/Wiesbaden. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist vergangenes Jahr in Rheinland-Pfalz und dem Saarland doppelt so stark gestiegen wie im Bundes-Durchschnitt.

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Rheinland-Pfalz ist 2018 prozentual doppelt so stark gestiegen wie in Deutschland insgesamt. Bei rund 3030 Kindern und Jugendlichen stellten die Jugendämter eine solche Gefährdung fest, teilte das Statistische Bundesamt Wiesbaden (Destatis) am Freitag mit. Im Vergleich zu 2017 stieg die Zahl der gefährdeten Kinder und Jugendlichen um knapp 21 Prozent. Im Saarland stieg die Zahl sogar um 23 Prozent auf 322. Deutschlandweit gab es 10 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr.

1377 Fälle in Rheinland-Pfalz stuften die Ämter dabei als „akut“ ein, knapp 350 mehr als 2017. In 61 Prozent der Fälle handelte es sich bei der Kindeswohlgefährdung laut Destatis um Vernachlässigung, gefolgt von psychischer und körperlicher Misshandlung. In rund 120 Fällen gab es Hinweise auf sexuelle Gewalt. Bei rund 3000 Kindern und Jugendlichen stellte das Amt fest, dass zwar keine Kindeswohlgefährdung vorliegt, die Familien aber dennoch Unterstützung brauchen.

„Wenn die Zahlen steigen, muss es nicht heißen, dass die tatsächlichen Zahlen der Kindeswohlgefährdungen gestiegen sind. Sondern, dass die Menschen mehr sensibilisiert und wachsamer sind“, sagte eine Sprecherin des Mainzer Familienministeriums.



Deutschlandweit haben die Jugendämter 2018 bei rund 50 400 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt - das waren zehn Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Dies ist laut Destatis nicht nur der höchste Anstieg, sondern auch der höchste Stand an Kindeswohlgefährdungen seit Einführung der Statistik im Jahr 2012.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn „eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes unmittelbar droht oder eingetreten ist“. Die stärkste Schutzmaßnahme, die Jugendämter bei Kindeswohlgefährdung anwenden können ist die Inobhutnahme.