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Kinderschutzbund fordert mehr Teilhabe für benachteiligte Kinder

Kann Deutschland beim Thema Kinder etwas von Rheinland-Pfalz lernen? Zainhofer: Es gibt in Rheinland-Pfalz viele gute Ansätze, die es auszubauen und zu differenzieren gilt: Projekte zu frühen Hilfen, Ausbau der Ganztagsschulen, seit August haben wir hier den Anspruch auf kostenlose Kinderbetreuung auch für Unter-Dreijährige

Kann Deutschland beim Thema Kinder etwas von Rheinland-Pfalz lernen?Zainhofer: Es gibt in Rheinland-Pfalz viele gute Ansätze, die es auszubauen und zu differenzieren gilt: Projekte zu frühen Hilfen, Ausbau der Ganztagsschulen, seit August haben wir hier den Anspruch auf kostenlose Kinderbetreuung auch für Unter-Dreijährige. Besonders hervorzuheben ist, dass in Rheinland-Pfalz die Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen wurden.Und was liegt noch im Argen?Zainhofer: In Rheinland-Pfalz leben über 70 000 Kinder auf Sozialhilfeniveau. Wir wünschen uns noch viel mehr Maßnahmen, die sozial benachteiligten Kindern eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben ermöglichen. Darauf machen wir am Weltkindertag in einer gemeinsamen Aktion "Kinderarmut Gemeinsam Barrieren überwinden" mit dem Landessportbund und seiner Sportjugend aufmerksam. Geht es denn beim Thema Armut nur um Teilhabe oder um mehr?Zainhofer: Teilhabe ist enorm wichtig! Sie bietet die Möglichkeit, sich zu integrieren, Anerkennung zu finden, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, zu einer Identität zu gelangen. Aber es geht um weit mehr. Da gibt es etwa den klaren Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit: Da das Geld nicht ausreicht, ist beispielsweise die Ernährung von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen häufig schlecht; Übergewicht kann eine Folge sein. Und der Zusammenhang zur Bildung?Zainhofer: Armut verhindert Bildung und Bildung verhindert Armut. Es ist immer noch so, dass Bildungschancen sozial vererbt werden. Armutsberichte weisen aus, dass für Kinder aus Elternhäusern mit hohem Sozialstatus die Chance zu einer Gymnasialempfehlung fast drei Mal so hoch ist wie bei Kindern aus einem Facharbeiterelternhaus. Weiter sieht man Zusammenhänge deutlich in Bayern und Baden- Württemberg; die haben die wenigsten Kinder, die von Hartz IV leben - und im Gegenzug haben sie auch mit die besten Ergebnisse bei den PISA-Studien. Was sind Ihre Forderungen?Zainhofer: Der Deutsche Kinderschutzbund fordert die Schaffung einer Kindergrundsicherung. Die Anhebung der Regelsätze kann nur ein Anfang sein. Es kann zum Beispiel nicht angehen, dass Kinder nicht beim Sportunterricht mitmachen, weil sie sich ganz einfach keine Sportkleidung leisten können.



 In Rheinland-Pfalz leben nach Angaben des Kinderschutzbundes über 70 000 Kinder auf Sozialhilfeniveau. Foto: dpa
In Rheinland-Pfalz leben nach Angaben des Kinderschutzbundes über 70 000 Kinder auf Sozialhilfeniveau. Foto: dpa