| 23:05 Uhr

Anita Schäfers Idee
Kerosin-Studie: EU-Kommission winkt ab

 Der SPD-  Fraktions­vorsitzende   im Mainzer Landtag,   Alexander Schweitzer.
Der SPD- Fraktions­vorsitzende im Mainzer Landtag, Alexander Schweitzer. FOTO: picture alliance / dpa / Andreas Arnold
Zweibrücken/Brüssel/Mainz. Man sei bei dem Thema nicht zuständig, heißt es auf Anfrage zu Anita Schäfers Idee, Untersuchungen aus Brüssel zu finanzieren. Derweil hat sich die SPD-Landtagsfraktion bei Vorort-Terminen in Sachen Spritablass schlau gemacht. Dabei rückten die Gefahren von militärischem Flugbenzin in den Fokus. Von Eric Kolling

Was passiert mit den Tröpfchen abgelassenen Kerosins auf dem Weg aus einem Flugzeug in Richtung Boden? Das ist eine Kernfrage, die die hiesige Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer (CDU) gerne von der Europäischen Union beantwortet hätte. Die EU soll, so ein Sprecher Schäfers in Berlin, eine entsprechende Studie durchführen oder die vom deutschen Umweltbundesamt geplante diesbezügliche Untersuchung mitfinanzieren – falls eine solche nicht bereits vorliege. Man wolle daher die EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc anfragen, konkretisierte der Sprecher eine Ankündigung Schäfers von vor zwei Wochen. Doch bei der Kommission dürfte Schäfer damit keine offenen Türen einrennen. Auf Merkur-Anfrage, ob die Bezuschussung oder Finanzierung einer entsprechenden Studie durch die Kommission denkbar wäre, hieß es: „Die EU ist nicht zuständig für die Regulierung von Notfall-Ablass von Kerosin. Wo Kerosin, wenn es nötig ist, abgelassen werden kann, muss von den Mitgliedstaaten entschieden werden. In einigen Staaten entscheidet die Luftverkehrskontrolle, wohin sie ein Flugzeug leitet, das Kerosin ablassen muss, andere haben Bestimmungen in ihrem Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publications) dazu veröffentlicht.“ Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass das Thema auf Ratsebene diskutiert werde.

Derweil haben sich die Abgeordneten der SPD-Landtagsfraktion im Rahmen der Reihe „Fraktion vor Ort“ am Mittwochnachmittag an drei Orten über das Thema Kerosin-Ablass informiert. Die Parlamentarier suchten in Langen die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf, trafen Professor Bernd Kaina am Institut für Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz und tauschten sich mit Bürger sowie Engagierten des BUND in Welschbillig in der Eifel aus. Hier ging es speziell um den Spritablass aus Militärjets.

 Der SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer, der in Langen die Abgeordnetengruppe anführte, mahnte im Anschluss einmal mehr an, dass bei einer Studie, wie es das Umweltbundesamt plant, tatsächliche Vor-Ort-Messungen mit Daten aus Reinland-Pfalz geben müsse. Eben diese sind bisher nicht geplant (wir berichteten). Gut sei, dass sich jüngst auch eine Sprecherin der Flugsicherung positiv zur SPD-Forderung nach einer Meldekette für Fälle von Kerosin-Treibstoffablass geäußert habe. Schweizer: „Nun ist der Bund gefordert!“  Der verantwortliche Abteilungsleiter im Umweltbundesamt war gestern nicht im Haus. Somit bleibt vorläufig offen, ob die geplante Studie durch praktische Messungen ergänzt wird, wie vor zwei Wochen im Mainzer Verkehrsausschuss gefordert (wir berichteten)



Indes hätten sich selbst bei der Flugsicherung Wissenslücken offenbart, so eine Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion. Selbst diejenigen der DfS, die mit Kerosin-Ablassen regelmäßig zu tun hätten, könnten wenig über die Folgen sagen. Bisher lägen auch keine Informationen und Erklärungen vor, warum das vergleichsweise dünn besiedelte Rheinland-Pfalz besonders stark betroffen sei, wenn grundsätzlich von einer Unbedenklichkeit des Verfahrens ausgegangen werde.

Die Gruppe im Mainzer Uniklinikum sei vor allem auf mögliche gesundheitliche Belastungen der Bevölkerung durch Kerosin-Ablass eingegangen – vor allem durch den als krebserregend verdächtigten Kerosin-Bestandteil Benzol. Professor Dr. Bernd Kaina, der Direktor des Instituts für Toxikologie, habe deutlich gemacht, dass Benzol in großen Mengen gesundheitsschädigend sei. Es sei notwendig, die Benzolkonzentration vor Ort zu messen, um eine abschließende Bewertung hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit vornehmen zu können. Kaina sagte, es müssten auch präzise Informationen über die Zusammensetzung der von den Fluglinien verwendeten Treibstoffe vorgelegt werden. Die neben Benzol weiteren Kerosin-Zusatzstoffe müssten in die anstehenden Analysen einbezogen werden, forderte der Institutsdirektor.

Mögliche Spritablässe von Militärjets war das Thema in Welschbillig. Der dortige Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Bitburg-Prüm befasst sich wegen der Nähe zur Airbase Spangdahlem seit vielen Jahren mit dem Ablassen von Kerosin über der Eifel. Viele Bürger befürchteten, dass Militärjets den Spezialtreibstoff mit der Bezeichnung JP8 abließen und sich das negativ auswirke: So seien zahlreiche Fälle beschrieben worden, in denen auf Haus- und Gartenflächen, in Wald und Wiesen treibstoffartige Substanzen entdeckt worden seien. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um abgelassenes Kerosin handele.

 Ein Passagierflugzeug fliegt zwischen zwei eher harmlosen Kondensstreifen hindurch: Gleichwohl geht die Diskussion weiter, ob der Notablass von Kerosin für die Umwelt und für die Menschen schädlich ist – insbesondere dann, wenn Militärjets sich ihres Spezialtreibstoffs in der Luft entledigen.
Ein Passagierflugzeug fliegt zwischen zwei eher harmlosen Kondensstreifen hindurch: Gleichwohl geht die Diskussion weiter, ob der Notablass von Kerosin für die Umwelt und für die Menschen schädlich ist – insbesondere dann, wenn Militärjets sich ihres Spezialtreibstoffs in der Luft entledigen. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst