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Weiter keine praktischen Messungen geplant
Kerosin-Gutachten verzögert sich

Ein Flugzeug zieht Kondensstreifen hinter sich her. Immer wieder lassen Flugzeuge Kerosin ab. Ein Gutachten über mögliche Gesundheitsgefahren verzögert sich.
Ein Flugzeug zieht Kondensstreifen hinter sich her. Immer wieder lassen Flugzeuge Kerosin ab. Ein Gutachten über mögliche Gesundheitsgefahren verzögert sich. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Zweibrücken/Bremen. Das Gutachten zum Kerosin-Ablass verzögert sich bis nächstes Jahr. Die Experten haben in der Literatur bisher keine Antworten auf mögliche Gefahren gefunden. Praktische Messungen sind aber nicht geplant.

Wie gefährlich abgelassenes Flugbenzin für die Bevölkerung ist, bleibt unklar. Zwar sollte dieser Tage ein Gutachten des Bundesumweltamts (BUA) über die Gefahren von Kerosin-Ablass aus Flugzeugen präsentiert, erste Ergebnisse bei der gestern gestarteten Umweltministerkonferenz (UMK) in Bremen erläutert werden. Das hatte Lars Mönch, zuständiger Fachgebietsleiter im BUA, gegenüber dem Merkur noch vor knapp zwei Monaten bekräftigt. Doch das Gutachten liegt noch nicht vor und wird sich wohl bis zur nächsten UMK im Mai 2019 verzögern. Das sagte Mönch gestern auf Merkur-Anfrage. Man sei bestrebt, es vorher fertigzustellen. „Wir wollen nichts zurückhalten“, betont Mönch. Bei der aktuellen UMK in Bremen wird unter dem Tagesordnungspunkt „Flugverkehr – Bewertung von Treibstoffablässen“ laut Mönch das BUA nur einen Zwischenbericht abgeben, der „allgemeiner auf die Probleme eingeht“. Er liege ihm nicht vor.

Warum die Verzögerung? Man habe festgestellt, „dass verfügbare Modelle, die wir schon angepasst haben, immer noch nicht tauglich sind, um ökotoxikologische Fragen zu beantworten“, betonte Mönch. Den Experten fehlt die Berechnungsgrundlage, um sicher beurteilen zu können, ob und inwieweit Boden, Wasser und Luft beim Ablass von Flugbenzin in Mitleidenschaft gezogen werden. Und: „Wir haben erwartet, dass die Literatursichtung ergiebiger ist. Aber wir haben jetzt den Eindruck, dass auf diesem Gebiet seit über 20 Jahren nichts gemacht worden ist und bestimmte technische Entwicklungen gar nicht berücksichtigt wurden“, erklärte Mönch. Man müsse gründlicher ran. Außerdem fehle generell Literatur zu entscheidenden Fragen, es müssten also „Hausmeinungen“ ins Gutachten einfließen. Die eigenen Fachleute bräuchten erst Zahlen, damit sie beurteilen könnten, ob ein berechneter Wert dessen, was pro Quadratmeter an Kerosin laut Modell am Boden ankommen kann, eine Belastung sei oder natürlich abgebaut werde. Sprich: „Ist es gesundheitsschädigend, wenn ein Wanderer durch den Wald läuft und rein rechnerisch eine gewisse Menge an Kerosintröpfchen einatmet?“

Dass die Theorie solche Fragen nicht beantwortet, haben Kritiker schon vor Monaten geunkt und praktische Messungen im Rahmen des Gutachtens gefordert. Die sind aber, vorbehaltlich anderslautender Beschlüsse der UMK, weiterhin nicht geplant – auch wenn der ursprünglich von Mönch herangezogene Faktor „Zeitdruck“ inzwischen ein Stück weit ausscheidet. Man wisse aber nicht, wie man praktische Messungen überhaupt anstellen solle. Es sei kaum möglich, ein Riesenareal dauerhaft mit Messtechnik auszustatten und Geräte wie Personal dafür bereitzustellen. Man könne aber auch nicht absichtlich mit Steuergeld Kerosin aus Flugzeugen ablassen. Ebenso sei es auch keine Option, eine Ersatzflüssigkeit zu verwenden, weil diese etwa langsamer verdunste als Kerosin.



Gegner des Kerosin-Ablasses kritisierten gestern, dass sich das Gutachten verzögert. Etwa die Initiative Pro Pfälzerwald, die im August eine Internetpetition gegen Treibstoffablass durch Flugzeuge gestartet hatte, die bis gestern 76 000 Menschen unterzeichnet haben. Cornelia Hegele-Raih von der Initiative sagte im SWR, sie sei nicht verwundert, dass das Gutachten doch nicht dieses Jahr vorliegen wird. Die Initiative kritisiert schon lange, dass keine aktuellen Daten zum Treibstoff-Ablass vorhanden sind.