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Keine Chance für Karl Marx

 Die Studentenschaft der Universität Trier fordert deren Umbenennung nach dem in Trier geborenen Philosophen und Ökonomen Karl Marx. Foto: dpa
Die Studentenschaft der Universität Trier fordert deren Umbenennung nach dem in Trier geborenen Philosophen und Ökonomen Karl Marx. Foto: dpa
Trier. An dem Namen "Universität Trier" soll nicht gerüttelt werden: Uni-Präsident Peter Schwenkmezger teilte gestern mit, er sehe "keinerlei Veranlassung, den Namen 'Universität Trier' zu ändern". Dieser sei schließlich im Hochschulgesetz verankert

Trier. An dem Namen "Universität Trier" soll nicht gerüttelt werden: Uni-Präsident Peter Schwenkmezger teilte gestern mit, er sehe "keinerlei Veranlassung, den Namen 'Universität Trier' zu ändern". Dieser sei schließlich im Hochschulgesetz verankert. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AstA) dagegen nennt die Hochschule nach einer Entscheidung des Studierendenparlaments "Karl Marx Universität Trier". Und plädiert für eine offizielle Umbenennung. Der Philosoph und Ökonom Marx (1818-1883) wurde in Trier geboren. Die Universität Trier sollte "in der Tradition anderer Hochschulen wie der Goethe-Universität zu Frankfurt, der Humboldt-Universität zu Berlin oder der Gutenberg-Universität zu Mainz ihren berühmtesten Sohn zum Namensgeber wählen", heißt es in einer Erklärung des AstA. Das Gremium benutzt als Logo das Konterfei des in Trier geborenen Philosophen, das auf Plakaten, Faltblättern und im Internet erscheine. Dafür war der Asta von der Jungen Union Trier kritisiert worden. Nach Angaben Schwenkmezgers lebt die Diskussion um den Namen der Universität Trier "in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen" immer wieder auf. Die Entscheidung des Parlaments der Studierenden sei ihm offiziell noch noch nicht mitgeteilt worden.Der Name des Philosophen und Ökonomen steht nach Ansicht der Historikerin Beatrix Bouvier heute immer noch für Provokation. "Man kann ihn (Marx) erklären, man kann ihn historisieren, aber er bleibt stets mit einer gewissen Virulenz behaftet", sagte die Leiterin des Museums und Studienzentrums Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Trier. Marx sei insofern Provokation, "weil er alle und alles in Frage gestellt hat". Oft werde er heute aber fälschlicherweise "für vieles Schlechte in der Welt" verantwortlich gemacht, sagte die Professorin. "Der Name wäre offiziell nie konsensfähig", sagte Bouvier. Auch nicht in der Geburtsstadt des Philosophen. "Wenn, dann hätte man der Uni den Namen bei ihrer Gründung geben müssen." Mit der "Provokation Marx" spiele aber auch die Linke, sagte Bouvier. Beispielsweise, wenn der Linkspartei-Studentenverband seit neustem wieder Lesekreise zum Marxschen Werk "Das Kapital" an deutschen Universitäten organisiere. Dabei komme den Linken die Finanz- und Wirtschaftskrise zu Gute. "Einige linke Blättchen wittern derzeit Morgenluft", sagte die Historikerin. Das Karl-Marx-Haus in Trier, in dem Marx geboren wurde, zieht nach Angaben von Bouvier ungebrochen viele Besucher an. 2008 kamen mehr als 40 000, sagte sie. Mit der Krise gebe es deutlich mehr Nachfrage nach Lektüre. "Daher haben wir unsere Angebote erhöht." Das "Kapital" gebe es jetzt in vielen verschiedenen Ausgaben und auch CDs gehörten zum neuen Sortiment. dpa