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Kaum Siegeszeichen am Nürburgring

 Grüner Protest: Der Pressesprecher der Grünen in Rheinland-Pfalz, Marc Wensierski, posiert beim Landtag in Mainz mit einer "Boris-Becker-Maske" und einem "Bobby Car" gegen Fehlplanungen am Nürburgring. Foto: dpa
Grüner Protest: Der Pressesprecher der Grünen in Rheinland-Pfalz, Marc Wensierski, posiert beim Landtag in Mainz mit einer "Boris-Becker-Maske" und einem "Bobby Car" gegen Fehlplanungen am Nürburgring. Foto: dpa
Mainz. Derzeit erstellen laut Hering externe Wirtschaftsprüfer der renommierten Gesellschaft Ernst&Young ein Gutachten. Der neue Aufsichtsrat habe dies am 18. August beschlossen Von Merkur-Korrespondent Frank Giarra

Mainz. Derzeit erstellen laut Hering externe Wirtschaftsprüfer der renommierten Gesellschaft Ernst&Young ein Gutachten. Der neue Aufsichtsrat habe dies am 18. August beschlossen. Dabei werde der Geschäftsplan der zu 90 Prozent landeseigenen Nürburgring GmbH ebenso untersucht wie dessen Grundlagen und die Struktur der Gesellschaften am Ring, außerdem das gesamte Geschäftsmodell des neuen Freizeit- und Geschäftszentrums an der Eifel-Rennstrecke. Auch die Ursachen für die auf mehr als 300 Millionen Euro explodierten Baukosten und für die Baumängel sollen analysiert werden. Ex-Finanzminister Ingolf Deubel habe mit seinem Rücktritt am 7. Juli bereits die politische Verantwortung übernommen. Ob es weitere Verantwortliche gebe, werde die Expertise klären.Basierend auf dem Gutachten soll ein "Zukunftskonzept" mit einem überarbeiteten Geschäftsmodell entwickelt werden. Die Opposition sprach von der "größten Millionenpleite des Landes" und einem "finanzpolitischen Fiasko". Günter Eymael (FDP) vertrat die Ansicht, der Skandal sei auch durch den Rücktritt Deubels nicht beendet, "sondern geht erst richtig los". Der Eifeler CDU-Abgeordnete Michael Billen sagte: "Deubels Schuhe sind nicht groß genug, dass sie da alles reinschieben können." Laut Eymael habe die Nürburgring GmbH ein Ausgabenproblem und könne die hohen Kosten nicht erwirtschaften. "Wir brauchen mehrKlarheit, mehr Infos und eine lückenlose Aufklärung." CDU-Chef Christian Baldauf forderte die Ablösung von Ring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz. Dieser sei für das operative Geschäft und das "miserable Krisenmanagement" verantwortlich. Ministerpräsident Kurt Beck stehe jedoch in "Nibelungentreue" zu Kafitz. Baldauf: "Weiß der zuviel? Hat er das richtige Parteibuch?" Alexander Licht (CDU) ergänzte: "Wenn sie heute schon über Fehler reden, sind heute auch Konsequenzen erforderlich."SPD-Fraktionschef Jochen Hartloff verbat sich "Vorverurteilungen und Unterstellungen". Wenn die Ergebnisse des Gutachtens vorlägen, werde die Regierung handeln. Auch den Sozialdemokraten sei an einer Aufklärung gelegen, "denn das Vertrauen der Menschen in die Regierung kann nur gestützt werden, wenn alle Fakten in aller Offenheit vorliegen". Man dürfe nichts "skandalisieren", mahnte Frank Puchtler (SPD). Meinung

Nett formulierter Offenbarungseid



Von Merkur-KorrespondentFrank Giarra Wenn es noch eines Beweises für das Desaster am Nürburgring bedurft hätte, dann hat ihn Wirtschaftsminister Hendrik Hering geliefert: Nachdem bereits weit mehr als 300 Millionen Euro ausgegeben worden sind, soll nun das gescheiterte Geschäftsmodell überarbeitet werden, um das Projekt doch noch zum Erfolg zu führen. Schöner hätte man einen Offenbarungseid nicht formulieren können. Die Opposition lechzt nach weiteren Köpfen, die rollen sollen. In Bezug auf Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz hat sie recht. Allerdings sollten CDU und FDP nicht nur an den Wahlkampf für 2011 denken, sondern auch an die Weiterentwicklung des Projekts. An Ruinen in der Eifel kann keinem gelegen sein.