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Acht leichtverletzte Beamte
Kandel-Demo: Polizei kritisiert Antifa

Polizisten drängen mit Pfefferspray eine Demonstrationsgruppe zurück, die am vergangenen Samstag gegen die Aktion der Initiative „Kandel ist überall“ protestiert. Acht Beamte wurden bei dem Einsatz in der südpfälzischen Stadt verletzt.
Polizisten drängen mit Pfefferspray eine Demonstrationsgruppe zurück, die am vergangenen Samstag gegen die Aktion der Initiative „Kandel ist überall“ protestiert. Acht Beamte wurden bei dem Einsatz in der südpfälzischen Stadt verletzt. FOTO: Uli Deck / dpa
Ludwigshafen. Etwa 2000 Menschen demonstrierten am Samstag in Kandel gegen rechtspopulistische Parolen. Im Nachgang wirft die Polizei der linken Antifa hohe Aggressivität vor. Wie es in der Stadt weitergehen wird, können die Beamten nicht sagen.

Nach den Demonstrationen in Kandel vom vergangenen Samstag hat die Polizei schwere Vorwürfe an die Adresse der linken Antifa gerichtet. Bei dem Einsatz seien entgegen ersten Meldungen nicht drei, sondern acht Beamte leicht verletzt worden, teilten Vertreter der Polizei in einer Zwischenbilanz am gestrigen Dienstag in Ludwigshafen mit. Zudem seien Beamte aus dieser Gruppe heraus mit drei bis vier Knallkörpern beworfen worden, die erhebliche Verletzungen verursachen könnten. Bislang gebe es 14 Anzeigen, elf gegen Vertreter des linken und drei gegen Anhänger des rechten Spektrums.

Auf die Frage, ob die 9000-Einwohner-Stadt regelmäßig zum Schauplatz von Demonstrationen mit Konfliktpotenzial werden könnte, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Eberhard Weber, man hoffe, dass sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten beruhige, „aber valide einschätzen können wir das nicht“. Obwohl das Präsidium in Ludwigshafen das zweitgrößte im Lande sei, könne es solche Einsätze allein nicht stemmen, sondern sei auf Hilfe von außen angewiesen. Nach Angaben von Polizeiführer Martin Kuntze fielen am Samstag bei der Polizei 8382 Arbeitsstunden an. Kuntze sagte aber auch: „Wenn es drauf ankommt, sind wir da.“

Seit dem Tod des Mädchens Mia Ende Dezember kommt es in Kandel immer wieder zu Demonstrationen, vor allem von flüchtlings- und islamkritischen Organisationen. Die 15-Jährige war mutmaßlich von ihrem Ex-Freund erstochen worden, einem Flüchtling aus Afghanistan. Am Samstag waren etwa 2000 Menschen einem Aufruf des Bündnisses „Wir sind Kandel“ gefolgt und hatten friedlich gegen Hass und Hetze demonstriert. Die Aktion, zu der sich auch 250 bis 300 Anhänger der Antifa eingefunden hatten, richtete sich auch gegen eine Kundgebung der rechtspopulistischen Initiative „Kandel ist überall“, die unter anderem eine Schließung der deutschen Grenze fordert.



„Wir waren am Einsatztag ein stückweit überrascht von der Aggressivität, die von der Antifa ausgegangen ist“, sagte Abschnittsleiter Peter Landau von der Bereitschaftspolizei. Die Gruppe habe gleich zu Beginn Auflagen wie das Vermummungsverbot missachtet, sei dann aber ein stückweit mitgelaufen. Als der Zug der anderen Demonstration am nächsten gewesen sei, hätten die Antifa-Leute Kurs darauf genommen. Bei den folgenden Konfrontationen hätten acht Beamte seiner Einheit Hautabschürfungen und Prellungen erlitten, zudem seien sie mit Knallkörpern beworfen worden, die Knalltraumata verursachen und – bei einem defekten Visier – das Augenlicht kosten könnten.

Polizeiführer Kuntze sagte, die derzeitigen Anzeigen beträfen Körperverletzung, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und Widerstände. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl noch deutlich steige, weil die Beamten noch Videoaufzeichnungen auswerteten. Um die Delikte abzuarbeiten, werde bei der Polizeidirektion Landau eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Und der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel (CDU) wies darauf hin, dass der Kreis als Versammlungsbehörde die Demonstrationen nicht verbieten könne. Der Kreis habe lediglich zu beurteilen, ob die Anmeldung in Ordnung sei. Die nächste Demonstration ist für den 7. April angemeldet.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel, Volker Poß (SPD), bezeichnete die Demonstration der 2000, zu denen auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gehört hatte, als „Aufbruch“. Man habe sich zuvor überlegt, was man gegen die Demonstrationen unternehmen könne. „Ich denke, es war die richtige Entscheidung, zu sagen: wir wehren uns.“