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Jugendliche schnell wieder auffangen

Ludwigshafen. Die Überwachungskamera am Eingang lässt bereits ahnen, dass die Gäste des Flachbaus in der Ludwigshafener Innenstadt nicht immer die pflegeleichtesten sind Von dpa-Mitarbeiter Marc Strehler

Ludwigshafen. Die Überwachungskamera am Eingang lässt bereits ahnen, dass die Gäste des Flachbaus in der Ludwigshafener Innenstadt nicht immer die pflegeleichtesten sind. Im Haus des Jugendrechts (JuReLu) kümmern sich Mitarbeiter von Jugendamt, Polizei, Staatsanwaltschaft und einem Verein für Straffälligenhilfe gemeinsam unter einem Dach um Jugendliche, die eine Straftat begangen haben - bundesweit gibt es nur wenige vergleichbare Projekte. Der Jugendliche soll dank strafferer Abläufe für sein Vergehen möglichst schnell die Folgen spüren - davon erhoffen sich die Beteiligten einen größeren erzieherischen Effekt. Was vor gut zwei Jahren als Modellprojekt begann, hat sich nach Einschätzung aller beteiligten Behörden bewährt. "Mehr als 80 Prozent der Jugendlichen tauchen hier nur ein Mal auf", sagt die Ludwigshafener Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg. Im Idealfall läuft es so: Wird zum Beispiel eine Ladendiebin erwischt, kommt sie mit ins JuReLu. Dort sprechen sich der zuständige Polizist und ein Staatsanwalt gleich ab, wie es mit der Jugendlichen weitergeht - bei Bedarf sitzen auch das Jugendamt und die Straffälligenhilfe mit am Tisch. "Der Idealfall ist natürlich nicht die Regel", sagt der Leiter der für das JuReLu zuständigen Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig. Das Problem: Die Zahl der von Jugendlichen begangenen und registrierten Straftaten ist im zurückliegenden Jahr in Ludwigshafen spürbar angestiegen - von knapp 3300 im Vorjahr auf geschätzte 3500 im Jahr 2007. Das bedeute nicht, dass die Jugendkriminalität angestiegen sei, sagt der Leiter der örtlichen Polizeidirektion, Bernd Römer. Er führt das Plus darauf zurück, dass durch den engeren Kontakt mit Schulen und der öffentlich bekannten Anlaufstelle JuReLu einfach mehr Vergehen gemeldet würden. Der Polizeichef sieht den großen Vorteil des Hauses des Jugendrechts darin, dass die Polizei durch die enge Vernetzung der Behörden bessere Erkenntnisse über jugendliche Straftäter bekomme.