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Verkehr
Jetzt rollt es über die Riesenbrücke

 Tausende Besucher begehen im Nebel bei einem Bürgerfest in 160 Metern Höhe vor der offiziellen Eröffnung die Hochmoselbrücke. 
Tausende Besucher begehen im Nebel bei einem Bürgerfest in 160 Metern Höhe vor der offiziellen Eröffnung die Hochmoselbrücke.  FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier. Nach Jahrzehnten des Planens wurde der Hochmoselübergang 2019 fertiggestellt. Von Katharina De Mos

So viel Beton, so viele Emotionen. Kein Bauwerk hat die Menschen der Region 2019 so sehr bewegt wie die frisch für den Verkehr freigegebene Hochmoselbrücke. Die einen hassen sie, weil sie in ihren Augen die Landschaft verschandelt und Steuergeld verschlang, die anderen lieben sie, weil es dank der neuen Verbindung so viel einfacher, schneller, stressfreier und günstiger geworden ist, von der Eifel in den Hunsrück zu kommen und umgekehrt.

Wie faszinierend die 160 Meter hohe und 1,7 Kilometer lange Brücke, unter der selbst der Kölner Dom Platz fände, für viele Menschen ist, hat auch das Eröffnungsfest auf der Brücke gezeigt. Die Veranstalter, die mit ein paar Tausend Besuchern gerechnet hatten, wurden überrannt. Zigtausende wollten die Gelegenheit nutzen, hoch oben über dem Moseltal auf die Fertigstellung des umstrittenen Großprojekts anzustoßen. Trotz teils chaotischer Zustände – es gab zu wenige Parkplätze, schlecht gesicherte Zugänge, zu wenig Essen, Trinken und viel zu wenige Toiletten – herrschte Volksfeststimmung. Die Menschen feierten, dass der Hochmoselübergang nach Jahrzehnten des Planens und nach Jahren des Bauens 2019  endlich fertiggestellt wurde. Neben 40 000 Kubikmetern Beton stecken 32 500 Tonnen Stahl in dem Mega-Bauwerk. Die Stützweiten zwischen den zehn Pfeilern betragen bis zu 210 Metern. Das ist eine der größten Spannweiten, die jemals im sogenannten Taktschiebeverfahren überbrückt wurde.

Am 21. November wurde die 175 Millionen Euro teure Brücke dann feierlich für den Verkehr freigegeben. Sie ist Teil des Hochmoselübergangs, der nach bisherigem Stand insgesamt 483 Millionen Euro kostet. Neben der großen Moselbrücke gehören viele kleinere Tal- und Wildbrücken, Unter- und Überführungen, 25 Kilometer Bundesstraße sowie drei Kilometer Zubringerstraßen zu dem Großprojekt, das gebaut wurde, um die belgischen und niederländischen Nordseehäfen sowie die belgischen Ballungsräume mit dem Rhein-Main-Gebiet zu verbinden.



Allerdings zeigen Routenplaner inzwischen, dass es von Antwerpen oder Rotterdam aus ein 20 beziehungsweise 50 Kilometer langer Umweg wäre, über den Hochmoselübergang Richtung Mainz zu fahren. Da die bisher üblichen Autobahn-Routen nach wie vor kürzer sind und es in der Transportbranche auf jeden Kilometer ankommt, rollt der internationale Frachtverkehr bisher nur sehr zögerlich über die neue Verbindung. Rudolf Juchelka, Professor für Verkehrsgeografie an der Uni Duisburg-Essen, geht auch nicht davon aus, dass sich das ändert. Schließlich gebe es auf diesen langen Strecken einfach keine Fahrtzeitersparnis.

Pendler und Unternehmen aus der Region sind hingegen sehr glück­lich mit der neuen Route, die ihnen bis zu 20 Minuten hinterm Steuer erspart und die sich, da die vierspurige Straße meist schön frei ist, zudem sehr angenehm fahren lässt.