| 23:10 Uhr

Kriminalität
Land verschärft die Jagd auf Mehrfach-Straftäter

Mainz. Eine kleine Zahl Krimineller begeht in Rheinland-Pfalz eine sehr große Zahl an Delikten. Daher arbeiten Ermittler nun enger zusammen. Von Florian Schlecht

Ganoven sind voriges Jahr bei mehr als 157 000 Straftaten in Rheinland-Pfalz er­wischt worden. Mancher Kriminelle sammelt dabei Anzeigen wie ein Parksünder Knöllchen. Mehr als 16 000 Taten gingen alleine auf das Konto von nur 914 Verdächtigen, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Mittwoch. Solchen Mehrfachstraftätern, die mehr als elf Delikte auf dem Kerbholz haben, will das Land künftig stärker das Handwerk legen, indem Ermittler von Polizei und Justiz enger zusammenarbeiten. Lewentz will damit mehr Wiederholungsstraftäter hinter Gitter bringen, kriminelle Einwanderer schneller abschieben und die Sicherheit erhöhen. „Wir befinden uns damit in der Spitzengruppe der Länder.“

Das Landeskriminalamt (LKA) soll verschiedene polizeiliche Informationssysteme zentral auswerten, in Datenbanken fahnden, Tarnnamen aufspüren, um Mehrfachtäter ausfindig zu machen. So würden auch Beschuldigte mit mutmaßlichen Taten in unterschiedlichen polizeilichen Zuständigkeitsbereichen und Ländern besser erfasst und „Personagramme“ erstellt, wie es sich schon bei der Fahndung nach islamistischen Gefährdern bewährt hat.

„Wenn bislang gegen einen Verdächtigen zum Beispiel wegen einer Schwarzfahrt, eines Einbruchs, eines Sexualdelikts und einer Körperverletzung ermittelt wird, sind bislang mehrere Dezernenten bei einer Staatsanwaltschaft zuständig“, sagte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer. Künftig soll sich ein Dezernent um alle Taten eines Mehrfachtäters kümmern. Dieser könne auch leichter in Untersuchungshaft kommen, als wenn man nur einzelne Taten betrachte.



Lewentz erklärte, in Rheinland-Pfalz seien 0,8 Prozent der Verdächtigen für mehr als jede zehnte Straftat verantwortlich. Justizminister Herbert Mertin (FDP) sagte, es gehe nicht um Bagatelldelikte und nicht um ohnehin schon zentral verfolgte Mörder und Totschläger, sondern um Taten wie Körperverletzungen, Sachbeschädigungen oder Diebstahl. Das Land testet die neue Strategie zunächst sechs Monate lang in einem Pilotprojekt.