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Bertelsmann-Studie
In Rheinland-Pfalz fehlen Tausende Erzieher in Kitas

Mainz. Geht es um die Betreuung kleiner Kinder, braucht sich Rheinland-Pfalz laut einer Studie bundesweit nicht zu verstecken. Trotzdem gibt es demnach zu wenig Fachkräfte in Kitas und Krippen.

Bahnt sich in Rheinland-Pfalz ein massives Problem bei Erziehern an? Geht es nach der Bertelsmann-Stiftung, fehlen im Land schon jetzt 4619 Fachkräfte in Kitas und Krippen, um kleine Kinder ausreichend zu betreuen. Mehr als 208 Millionen Euro müsste das Land ausgeben, um zusätzliches Personal einzustellen, schreiben die Macher der Studie.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hebt dagegen den Bundesschnitt hervor, in dem Rheinland-Pfalz solide abschneidet. In der Betreuung der Kinder unter drei Jahren steht das Land im Personalschlüssel auf Platz drei. Bei Kita-Kindern über drei Jahren belegt Rheinland-Pfalz Rang acht. Eine Erzieherin betreut danach im Schnitt 8,6 Kinder. Laut Bertelsmann ist das aber eine zu hohe Last für die Erzieher. Die Stiftung fordert, dass eine Fachkraft sich im Schnitt höchstens um 7,5 Kinder kümmern soll.

Damit abgehängte Regionen in der Ausstattung mit Erziehern im Vergleich zum Landesschnitt aufholen können, will Hubig 62 Millionen Euro mehr pro Jahr investieren. Das neue Kita-Gesetz soll nach ihrem Wunsch 2019 vom Mainzer Landtag verabschiedet werden.



Erzieher und Träger in Rheinland-Pfalz kritisieren den Entwurf schon jetzt. Sie befürchten, dass sich die Personalnot verschärft. Besonders das vorgesehene Recht für Eltern, ihre Kinder künftig sieben Stunden am Stück in Kitas betreuen lassen zu dürfen, könnte manchen Erzieher an Grenzen treiben. Erni Schaaf-Peitz, Leiterin einer Kita in Wittlich-Neuerburg, sagt: „Vielen Kitas fehlt das Personal, um durchgängig Kinder zu betreuen und zu bekochen.“ Das Gesetz nehme darauf keine Rücksicht, kritisiert eine Mitarbeiterin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Paritätischen Wohlfahrtsverbände fordern 25 Prozent mehr Personal.

Karl-Heinz Frieden vom rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebund rechnet mit langen Wartezeiten, bis alle Elternwünsche erfüllt werden können, weil Küchen und Ruheräume in Kitas auf den neuesten Stand gebracht werden müssten. Klaus-Peter Hammer, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), warnt: „Das Gesetz ist auf Kante genäht, geht zulasten der Erzieher, kleinere Kitas drohen Personal zu verlieren.“

Hubig sieht das anders: Das Land stelle ein Budget von 27 Millionen Euro bereit, durch das Kitas mit einem besseren Personalschlüssel ihren Level halten könnten. 46 Millionen Euro kommen in einen Topf, der Kitas Sprachlehrer und Sozialarbeiter zuweisen soll.