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Höhere Baukosten, mehr Stahl nötig

Mainz. Nicht die Hochmoselbrücke allein, sondern das Gesamtprojekt inklusive des Neubaus von 25 Kilometern Bundesstraße und etlichen Tunneln und kleinen Brücken wird um 81 Millionen Euro teurer als kalkuliert. Ende der Bauzeit: 2018. fcg

Abrechnung im Innenausschuss des Mainzer Landtags: Die Abgeordneten wollen gestern wissen, warum es nun zu einer Steigerung der Baukosten beim Hochmoselübergang von 375 auf 456 Millionen Euro kommt. Und warum sich die Bauzeit um zwei Jahre verlängert.

Bernd Hölzgen vom bauausführenden Landesbetrieb Mobilität (LBM) listet die Ursachen detailliert auf. "Wir reden über drei Bauabschnitte , nicht nur über die Brücke", beginnt Hölzgen. Da 2003 mit dem ersten Abschnitt begonnen worden sei, handle es sich um eine sehr lange Bauzeit. Der Baupreisindex sei von 2005 bis 2014 um fast 30 Prozent gestiegen.

Der erste Bauabschnitt von der A1 bis Platten (Eifelseite) kostet laut LBM 11,3 Millionen Euro mehr. Es sei nicht etwa generell zu regnerisch gewesen, sagt Hölzgen. Sondern nach starken Regenfällen hätten die Böden aufgrund witterungsempfindlicher Baustoffe mit Kalk und Zement verfestigt werden müssen. Ferner hätten sich durch Richtlinienänderungen höhere technische Anforderungen ergeben.

Der zweite Bauabschnitt inklusive der 1,7 Kilometer langen Hochmoselbrücke kostet 46,7 Millionen Euro mehr, vor allem deshalb, weil 7500 Tonnen Stahl mehr verbaut werden müssen. Auch hier macht der LBM veränderte Normen geltend.

Der dritte Bauabschnitt - Zubringer Moseltal bis Longkamp - verschlingt 23 Millionen Euro mehr. Unter anderem wegen der zusätzlichen Anschlussstelle Longkamp-Nord. LBM-Ingenieur Hölzgen erinnert daran, dass die ursprüngliche Wegführung geändert wurde, die erheblich kostspieliger und ökologisch bedenklicher gewesen wäre.

Insgesamt, betont Hölzgen, bewege man sich "mit den Kosten pro Quadratmeter im unteren Bereich" im Vergleich zu ähnlichen Projekten. Auch der A1-Lückenschluss in der Eifel werde erheblich teurer, das sei absehbar.

Innenminister Roger Lewentz (SPD ) bringt auf den Punkt, was die meisten Abgeordneten über die Kostensteigerungen denken: "Das ist ärgerlich, aber begründbar." Die Daunerin Astrid Schmidt (SPD ) sagt: "Solche Kostensteigerungen sind bei Großprojekten kaum vermeidbar."Es handle sich keinesfalls um Missmanagement oder Schlamperei. Sonst hätte das Bundesverkehrsministerium die Kostenfortschreibung nicht genehmigt.

Jutta Blatzheim-Roegler von den Grünen zeigt sich nicht überrascht. Sie habe das Projekt von Anfang an abgelehnt und immer gesagt, dass es teurer werde. Einer Lichtinstallation, wie sie der Künstler R.O. Schabbach für die Brücke vorgeschlagen hat, kann sie nichts abgewinnen. "Das Ding ist so hässlich, das wird auch durch Licht nicht schöner."

CDU-Fraktionsvize Alexander Licht moniert "ein Kommunikationsproblem". Der Aufschrei in der Bevölkerung sei sehr groß gewesen, weil sie von der enormen Kostenexplosion überrascht worden sei, so Licht.