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Umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel
Höfken sieht Risiken bei Glyphosat-Einsatz

 Ein Landwirt sprüht Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch in Rheinland-Pfalz ein Zankapfel. Während Bauern das Mittel als unverzichtbar bezeichnen, sieht Umweltministerin Ulrike Höfken Risiken und fordert eine Langzeitstudie.
Ein Landwirt sprüht Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch in Rheinland-Pfalz ein Zankapfel. Während Bauern das Mittel als unverzichtbar bezeichnen, sieht Umweltministerin Ulrike Höfken Risiken und fordert eine Langzeitstudie. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Mainz. Seit 40 Jahren ist Glyphosat als Pestizid im Einsatz. Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen über Risiken. Und so rudert die EU erstmal zurück. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin hält das Mittel für gefährlich.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist auch zwischen Eifel und Pfalz ein Zankapfel. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hat Zweifel und fordert unabhängige Langzeitstudien. Dagegen wirbt der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd dafür, das Mittel in Maßen dort einzusetzen, wo es sinnvoll sei. Es gilt als sehr wirksam und wird weltweit massenhaft eingesetzt, steht allerdings im Verdacht, Krebs zu erregen und zudem die Umwelt zu belasten.

Die bisherige Zulassung in Europa läuft Ende dieses Jahres ab – ohne sie müsste das Mittel vom Markt genommen werden. Ein Expertengremium der EU-Länder vertagte die Entscheidung darüber gestern in Brüssel. Die Kommission will mit den Mitgliedstaaten eine Lösung suchen. Sie hatte den früheren Vorschlag einer Zulassung für zehn Jahren am Dienstag auf fünf bis sieben Jahre heruntergeschraubt. Das Europaparlament fordert ein Verbot des Pestizids bis zum Jahr 2022.

Höfken sagte, Glyphosat sei in ihren Augen zunächst in maßloser Weise angewandt worden. „Klar ist, dass das Ausmaß des Einsatzes des Breitband-Herbizids Glyphosat schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Biodiversität, die gesamte Umwelt und Ökologie hat und das Tier- und Artensterben mit verursacht.“ Der Bundesrat habe sich auf Initiative von Rheinland-Pfalz 2013 für ein Verbot von Glyphosat in Haus- und Kleingärten sowie des Einsatzes kurz vor der Ernte ausgesprochen.



Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert ein Verbot. Die negativen Folgen des Einsatzes für Tiere und Pflanzen sind nach Ansicht des Verbandes erheblich. Auch der Öko-Anbauverband Bioland macht Glyphosat für das Artensterben mitverantwortlich, weil mit der Vernichtung aller Wildpflanzen auf dem Acker die Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel dezimiert werde. Etwa 350 000 Bio-Bauern in ganz Europa bewiesen, dass es auch ohne Glyphosat gehe, erklärte Verbandspräsident Jan Plagge.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, hält den Einsatz bei der Unkrautbekämpfung jedoch für notwendig. Wenn Glyphosat verboten würde, wäre das ein Riesenverlust, sagte er. Man dürfe auch nicht den Einsatz in Deutschland mit dem bei Soja und Baumwolle in Südamerika vergleichen, betonte er. Hartelt brachte die Bekämpfung resistenter Unkräuter oder die Beschleunigung von Abreife (Sikkation) als Beispiel für die Anwendung in Deutschland. „Ich denke, mit einem verantwortungsvollen Einsatz für diese Maßnahmen ist Glyphosat ein ganz wichtiger Baustein.“

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stufte das Herbizid 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen dagegen kein von Glyphosat ausgehendes Risiko.

(dpa)