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Höfken: Nationalpark ist Modell

Mainz/Hermeskeil. Windräder im Wald, mehr landwirtschaftliche Fläche, ein neuer Nationalpark – das ist oft umstritten. Zum Auftakt des Deutschen Naturschutztages dringt das Bundesamt für Naturschutz auf Ausgleich. Kim Alexander Zickenheiner,Oliver Riegen (dpa)

Das Bundesamt für Naturschutz hat davor gewarnt, dass der Schutz der Natur angesichts vieler Interessenkonflikte einfach übergangen wird. "Viele Flächen werden genutzt, etwa zur Landwirtschaft . So entstehen Interessenskonflikte", sagte der Vize-Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Alfred Herberg. "Wir müssen aber unsere Bemühungen um den Naturschutz verstärken: Die Artenbestände gehen zurück, die Roten Listen werden länger." Interessenkonflikte seien auch die Energiewende und neue Nationalparks .

Der 32. Deutsche Naturschutztag in Mainz befasst sich seit gestern mit der Frage, wie sich der Erhalt von Arten und Lebensräumen mit Bürgern und Wirtschaft in Einklang bringen lässt. Unter dem Motto "Verantwortung für die Zukunft - Naturschutz im Spannungsfeld gesellschaftlicher Interessen" diskutieren Experten darüber. Herberg riet zum Ausgleich. "Beim Bau von Windrädern etwa gibt es einerseits Widerstände von Bürgern, die ihre Landschaft verschandelt sehen, und andererseits Bedenken, dass dadurch Arten bedroht werden", sagte Herberg. "Deswegen müssen wir das sehr früh angehen - nicht erst, wenn der Investor schon die Flächen gekauft hat."

Der Widerstand gegen Nationalparks ist für den Experten oft eine Mischung aus Besorgnis und Unkenntnis. "Natürlich gibt es auch Einschränkungen - ein kluges Konzept sperrt aber nicht den ganzen Nationalpark ab, sondern lässt die Menschen die Natur auch erleben", sagte er. "Außerdem kann ein Park neben dem Naturschutz auch ökonomische Vorteile haben, etwa durch mehr Besucher in der Region."

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) sieht den neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald als Modell. Sie sagte, der Park sei "ein wichtiger Beitrag" zur Umsetzung der nationalen und internationalen Strategien zur Biodiversität und damit zum Erhalt der Artenvielfalt. Als einmalig bezeichnete sie hierbei die Beteiligung der Bürger. Der Park - der 16. in Deutschland und der erste in Rheinland-Pfalz - soll im Frühjahr 2015 öffnen (wir berichteten mehrfach).

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) forderte, Eingriffe in die Natur zu vermeiden. "Wir müssen bestehende landwirtschaftliche Flächen optimal nutzen statt neue zu generieren", teilte DBU-Generalsekretär Heinrich Bottermann mit. Die Landwirte müssten auf bestehender Fläche effizienter wirtschaften.