| 22:19 Uhr

Mainz fordert verpflichtende Kennzeichnung der Tierhaltung
Höfken fordert verpflichtendes Tierwohl-Label

Wer Fleisch kauft, soll künftig direkt an der Theke erkennen können, wie das Tier, von dem es stammt, gehalten wurde. Während Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf Freiwilligkeit der Erzeuger setzt, fordert die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken eine Kennzeichnungspflicht.
Wer Fleisch kauft, soll künftig direkt an der Theke erkennen können, wie das Tier, von dem es stammt, gehalten wurde. Während Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf Freiwilligkeit der Erzeuger setzt, fordert die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken eine Kennzeichnungspflicht. FOTO: dpa / Armin Weigel
Mainz. Verbraucher sollen bei Fleisch auf einen Blick erkennen können, wie das Tier gehalten wurde. Die Ernährungsministerin im Bund, Julia Klöckner, sieht dafür ein freiwilliges Label vor, ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin fordert eine verbindliche Kennzeichnung.

Das rheinland-pfälzische Ernährungsministerium will in einer Stellungnahme zu den Plänen von Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) eine verpflichtende Kennzeichnung der Tierhaltung bei Fleischprodukten fordern. Zwar sei es gut, dass nun endlich ein Plan auf dem Tisch liege. „Dieser geht aber nicht weit genug“, kritisierte die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne). Wirkliche Transparenz für Verbraucher könne nur eine verpflichtende und einfache Kennzeichnung gewährleisten, sagte Höfken.

In der bis 13. Juli von den Bundesländern erbetenen Stellungnahme werde Rheinland-Pfalz in drei Punkten dringenden Nachholbedarf anmelden, sagte Höfken. Die Kennzeichnung müsse erstens verpflichtend sein und zweitens bei den Verbrauchern bereits bekannt und anerkannt sein. Hier könne die bestehende Eier-Kennzeichnung mit den Ziffern 0 bis 3 für die Haltungsform als Vorbild dienen. „Warum das Rad neu erfinden, wenn eine Lösung längst auf dem Tisch liegt?“

Schon im Herbst 2015 sei von den Bundesländern dargestellt worden, wie diese Kennzeichnung auf Fleisch übertragen werden könne. Als dritten Punkt nannte die Mainzer Ministerin mehr Mittel für die Umsetzung der Tierwohl-Maßnahmen. Es müsse sichergestellt sein, „dass gerade unsere kleineren bäuerlichen Betriebe von der Förderung profitieren können“.



Im Bundesernährungsministerium ist bisher erst eine Stellungnahme eines Bundeslands eingegangen. Klöckner verteidigte ihre im Mai vorgestellten Pläne: „Bei einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung wie bei Eiern würde lediglich der Ist-Zustand der Haltungsform abgebildet“, erklärte sie gestern. „Wir wollen jedoch einen Anreiz bieten, das Label zu erlangen mit einem Mehr an Tierwohl und nicht schon mit dem Ist-Zustand.“ Ein Pflichtlabel würde bedeuten, dass auch derjenige ausgezeichnet würde, der lediglich den gesetzlichen Standard einhalte. „Das wäre so, als wenn man denjenigen, der an der roten Ampel hält, besonders auszeichnen würde, weil er sich an die gesetzlich vorgegebene Regeln hält.“

Der Berliner Plan sieht feste Kriterien für drei Stufen der Tierhaltung vor und eine staatliche Förderung für Tierhalter, die entsprechend dieser Kriterien etwa ihren Stall umbauen. Gestartet werden soll mit der Schweinehaltung, dann mit der Geflügelzucht, weitere Nutztierarten sollen folgen. Bis zur Mitte der Legislaturperiode soll das Tierwohl-Label dann verwirklicht sein.

In ihrem Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU und SPD „den mehrstufigen Aufbau einer staatlichen Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung“ vorgenommen. Nach dem jüngsten „Ernährungsreport“ des Bundesernährungsministeriums wünschen sich 79 Prozent der Verbraucher eine staatliche Tierwohl-Kennzeichnung.

Analog zur Eier-Kennzeichnung würde nach den Vorstellungen Höfkens die Ziffer 0 für Biofleisch stehen. Die Kriterien für die Stufen 1, 2 und 3 müssten für jede Tierart individuell definiert werden, wobei die Stufe 3 lediglich die Mindestanforderungen des Tierschutzrechts erfüllt. „Stufe 2 bietet mehr Struktur, etwa durch die Haltung auf Stroh, und Stufe 1 setzt zusätzlich Auslauf im Freien voraus.“ Dieses Konzept der Länder sollte als Grundlage für die weitere Ausgestaltung eines staatlichen Kennzeichnungssystems dienen, forderte Höfken.

Bei Schwein und Geflügel seien die Haltungssysteme standardisierter als beim Rind, erklärte Höfken. Daher sollte die seit Jahren angekündigte Tierwohl-Kennzeichnung zunächst für Schweine- und Geflügelfleisch eingeführt werden. „Die gesammelten Erfahrungen sollten dann natürlich auch Grundlage sein, um die Kennzeichnungs-Systematik auf andere Tierarten zu übertragen“, sagte Höfken und nannte eine mögliche Einführung auch für Rind, Kaninchen und Ente.