| 22:20 Uhr

Hitler-Glocke gerühmt
Herxheimer Rat fordert Rücktritt des Bürgermeisters

 Im Turm der Kirche St. Jakob in Herxheim am Berg hängt eine Bronzeglocke mit Hakenkreuz und einem Hitler-Spruch.
Im Turm der Kirche St. Jakob in Herxheim am Berg hängt eine Bronzeglocke mit Hakenkreuz und einem Hitler-Spruch. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Herxheim am Berg. Das Herxheimer Gemeindeoberhaupt Ronald Becker steht wegen seiner relativierenden Aussage zur NS-Zeit unter Druck.

(dpa) Nach relativierenden Aussagen über Adolf Hitler und das NS-Regime wächst der Druck auf den Bürgermeister der Gemeinde Herxheim am Berg, Ronald Becker (Freie Wähler). Der Gemeinderat des Ortes fordert das ehrenamtliche Stadtoberhaupt zum Rücktritt auf, wie der Erste Beigeordnete Gero Kühner (SPD) an diesem Montag sagte. „Es kann nicht sein, dass eine Zeit letztendlich fast schon verherrlicht wird, wo es einfach nichts zu verherrlichen gibt“, erklärte Kühner. „Deshalb distanzieren wir uns da einhellig davon.“

In einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ über eine Glocke mit Hakenkreuz-Emblem und Hitler-Spruch im Herxheimer Kirchturm hatte Becker gesagt, man sei stolz, eine Glocke mit dieser Inschrift zu haben, es sei die einzige in Rheinland-Pfalz. Auf der im Jahr 1934 aufgehängten Glocke steht: „Alles fuer‘s Vaterland Adolf Hitler“. Becker hatte außerdem gesagt, mit Hitlers Namen würden „immer gleich die Judenverfolgung und die Kriegszeiten“ verbunden. Man solle aber umfangreich berichten – „dass man sagt, das waren die Gräueltaten und das waren auch Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen“. Zudem hatte er befürwortet, dass auf einer Tafel, die möglicherweise irgendwann auf die Geschichte der Glocke hinweist, steht, es sei damals nicht alles schlecht gewesen.

Beigeordneter Kühner sagte, er habe die Verbandsgemeinde um Prüfung gebeten, wie es rechtlich weitergehen könne. Bürgermeister Becker, der von seinem Gemeinderat zum Rücktritt aufgefordert wurde, denkt nach Angaben eines Sprechers der Verbandsgemeinde Freinsheim, zu der Herxheim am Berg gehört, nun darüber nach, ob er das Bürgermeisteramt weiter ausübt. Becker selbst war gestern erneut nicht telefonisch zu erreichen.



Die Freien Wähler Rheinland-Pfalz hatten bereits angekündigt, sie wollten in seinem Fall über Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Parteiausschluss beraten (wir berichteten). „Es ist natürlich unabdingbar, dass wir innerhalb der Parteigremien über Disziplinarmaßnahmen beraten werden – bis hin zum Parteiausschluss“, sagte der Vizevorsitzende der Freien Wähler in Rheinland-Pfalz, Manfred Petry, auf Anfrage. Im Landesvorstand sei man entsetzt über die Äußerungen, sagte Petry. Diese Verklärung von Verbrechen des Naziregimes sei „hanebüchen“. Eine solche Meinung könne man auf keinen Fall dulden.

Die mit einem Hakenkreuz-Relief versehene „Hitler-Glocke“ aus der Kirche von Herxheim am Berg sollte nach Ansicht des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ins Museum. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass eine solche Glocke überhaupt in einer Kirche hängen geblieben ist“, teilte Schuster gestern mit. „Noch weniger Verständnis habe ich dafür, dass es offenbar heute noch Menschen gibt, die eine positive Einstellung zu dieser Glocke haben“, sagte Schuster.

Die umstrittene Glocke hängt zwar im Turm der protestantischen Kirche St. Jakob, gehört aber der politischen Gemeinde. Schuster sagte, die evangelische Kirche habe sich schon vor vielen Jahren zu ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus bekannt und sich davon distanziert. „Hier ist die evangelische Kirche gefordert, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.“

Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft Frankenthal, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten soll. Es sei zu klären, ob der Bürgermeister oder überhaupt jemand eine strafbare Handlung begangen habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber. Auslöser seien die Berichterstattung über den Fall und eine Anzeige gegen Becker. Es geht laut Staatsanwaltschaft um die Frage der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Ein Sprecher der Verbandsgemeinde Freinsheim, zu der Herxheim am Berg gehört, sagte, Becker wolle sich mit Blick auf sein Amt Gedanken machen, „ob und wie es weitergehe“ und dann eine Stellungnahme abgeben. Das habe er am Montag im Gespräch mit Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) gesagt.

 Der Bürger­meister von Herx­heim  am Berg,  Ronald Becker.
Der Bürger­meister von Herx­heim am Berg, Ronald Becker. FOTO: dpa / Uwe Anspach
(dpa)