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Hat Ahnen ihre Schulstatistik geschönt?

Mainz. Immer weniger Schüler besuchen die allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz. Aktuell sind es 442 300 und damit 8200 weniger als noch im Vorjahr. Eine Folge des demographischen Wandels, der sich künftig noch stärker auswirken wird. Bis 2016 werden 60 000 Kinder und Jugendliche weniger erwartet Von Merkur-Korrespondent Frank Giarra und dpa

Mainz. Immer weniger Schüler besuchen die allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz. Aktuell sind es 442 300 und damit 8200 weniger als noch im Vorjahr. Eine Folge des demographischen Wandels, der sich künftig noch stärker auswirken wird. Bis 2016 werden 60 000 Kinder und Jugendliche weniger erwartet.Nach den Worten der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD), die gestern in Mainz über Schülerzahlen, Klassengrößen und Unterrichtsversorgung im laufenden Schuljahr 2011/2012 informierte, wird daran gearbeitet, die Klassen zu verkleinern. Zudem sollen die Ganztagsschulen ausgebaut, das Netz der Schwerpunktschulen erweitert und die Fachoberschulen aufgebaut werden - alles Maßnahmen, die Personal beanspruchten. Dadurch werde die Unterrichtsversorgung beeinflusst.

Noch wird der Lehrerbestand konstant gehalten, es sollen aber 2000 Stellen wegfallen.

Das ruft die Lehrerverbände auf den Plan. Weniger Schüler, mehr Stundenausfall - "so hatten sich Eltern und Lehrkräfte die oft versprochene Nutzung der demographischen Rendite nicht vorgestellt", kritisierte der Verband der Realschullehrer. "Eine extreme Benachteiligung des Gymnasiums", monierte der Philologenverband. Beim Verband Bildung und Erziehung hieß es, eine den schulpolitischen Ansprüchen gerechte Unterrichtsversorgung sei "zurzeit wirklich nicht mehr vorhanden". Und das Bildungsbündnis Rheinland-Pfalz hatte kurz vor der gestrigen Veröffentlichung der aktuellen Schulstatistik Bildungsministerin Ahnen "geschönte Zahlen" vorgeworfen. Die neuen Angaben zum Unterrichtsausfall spiegelten nicht die reale Situation wider, "zumal die Statistik zur Unterrichtsversorgung gerade vor dem Auslaufen vieler Vertretungsverträge erhoben wurde", teilt der Zusammenschluss von Elterninitiativen, Lehrerverbänden und Elternvertretern mit. "Vor allem an den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen wie Realschulen und Gymnasien hat sich der strukturelle Ausfall im Vergleich zum Vorjahr praktisch nicht verändert und ist weiterhin viel zu hoch", hieß es weiter. Die SPD stuft das Bildungsbündnis Rheinland-Pfalz insgesamt als CDU-nah ein.



Bei dem gleichen Termin vor einem Jahr hatte Ahnen von der besten Unterrichtsversorgung seit einem Vierteljahrhundert gesprochen. Strukturell habe der Unterrichtsausfall damals bei nur 1,2 Prozent an allgemeinbildenden Schulen gelegen. Nach Aussage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) wurde allerdings später im Schuljahr 2010/2011 offiziell eine gut doppelt so hohe Ausfallquote ermittelt.

Die oppositionelle CDU im Mainzer Landtag zeigte sich gestern bestürzt über den höheren Unterrichtsausfall: "Rot-Grün befindet sich auf dem bildungspolitischen Holzweg. Die Regierungskoalition nutzt nicht die Möglichkeit, durch den Rückgang der Schülerzahlen für mehr Qualität an den Schulen zu sorgen." Rot-Grün spare an der Bildung "und damit an der Zukunft unserer Schüler", hieß es in einer gestern veröffentlichten CDU-Mitteilung.Foto: Von Erichsen/dpa