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Verkehrswende
Grünen-Politikerin fordert 365-Euro-Ticket

  Trotz aller Diskussionen um die Verkehrswende haben die Zahlen der Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Rheinland-Pfalz zuletzt stagniert.
Trotz aller Diskussionen um die Verkehrswende haben die Zahlen der Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Rheinland-Pfalz zuletzt stagniert. FOTO: dpa / Arne Dedert
Mainz. Wie lassen sich mehr Menschen für Bus und Bahn begeistern? Helfen könnten 365-Euro-Jahrestickets für Schüler, Studenten und Azubis, sagt eine Grünen-Politikerin. Der FDP-Verkehrsminister steht dem skeptischer gegenüber, während der DGB noch darüber hinaus geht.

Die verkehrspolitische Sprecherin der rheinland-pfälzischen Grünen-Fraktion, Jutta Blatzheim-Roegler, hat sich für ein 365-Euro-Ticket für Schüler, Studenten und Auszubildende ausgesprochen. Dies oder ein verbundübergreifendes Landesticket seien preiswerte Fahrkartenkonzepte, mit denen mehr Menschen dazu gebracht werden könnten, den ÖPNV zu nutzen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Unterstützung bekam Blatzheim-Roegler vom DGB. Der fordert langfristig sogar einen kostenlosen Nahverkehr für alle.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte sich im September vergangenen Jahres skeptisch gegenüber einem 365-Euro-Ticket gezeigt. In einem Redaktionsgespräch der Deutschen Presse-Agentur sagte er, das hessische Schülerticket für 365 Euro im Jahr sei nicht ohne weiteres auf Rheinland-Pfalz übertragbar. Rheinland-Pfalz sei viel ländlicher als Hessen, hierzulande wäre das Schüler-Ticket dreimal so teuer wie im Nachbarland.

Dem entgegnete DGB-Landeschef Dietmar Muscheid: „Gerade weil Rheinland-Pfalz sehr ländlich geprägt ist, sind die Menschen auf gute Mobilitätsangebote angewiesen.“ Eine regelmäßige Nutzung des ÖPNV sei derzeit für viele Rentner, einkommensschwache Familien oder Azubis schwer finanzierbar. „Auch sie müssen von einem 365-Euro-Ticket profitieren.“



Blatzheim-Roegler wünscht sich für einen attraktiveren ÖPNV auch flächendeckendes WLAN in Bahn und Bus. Zudem müsse die Pünktlichkeit des ÖPNV gewährleistet werden und sich die Personalsituation verbessern. „Denn nur ein zuverlässiges Verkehrsmittel wird sich auf lange Sicht durchsetzen. Um diese Ziele zu erreichen, müssen auch mehr Landesmittel bereitgestellt werden.“

Die Fahrgastzahlen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Rheinland-Pfalz sind trotz aller Debatten um eine Verkehrswende in den vergangenen Jahren stagniert. Im ersten Halbjahr 2018 nutzten pro Woche landesweit ungefähr 1,43 Millionen Menschen den SPNV, wie aus einer Antwort des Verkehrsministeriums in Mainz auf eine Anfrage Blatzheim-Roeglers hervorgeht. So viele waren es demnach auch im ersten Halbjahr 2016 gewesen. Neuere Zahlen liegen nach Angaben des Ministeriums noch nicht vor.

Die Zahlen der ersten Halbjahre 2018 und 2016 liegen damit unter denen von 2014, als in den ersten sechs Monaten rund 8000 Menschen mehr pro Woche in die Nahverkehrszüge im Land stiegen. Im ersten Halbjahr 2012 hatte der Wert bei etwa 1,33 Millionen gelegen.

Nach oben ging es derweil in den vergangen Jahren mit den im SPNV angebotenen Zugkilometern pro Jahr. Diese bei Vergaben von Teilstrecken bestellten Leistungen wuchsen landesweit laut Ministerium von 33,70 Millionen Zugkilometern im Jahr 2010 auf 36,12 Millionen 2014 und 38,98 Millionen im Jahr 2018.

Blatzheim-Roegler sagte, insgesamt hätten die Angebote im Personennahverkehr in den Jahren 2010 bis 2018 konstant zugenommen. Nötig sei eine noch bessere Verzahnung der Schiene mit anderen Verkehrsträgern wie Bus und Rad, um gerade im pendlerstarken Rheinland-Pfalz mehr Menschen die Fahrt zum Job mit dem ÖPNV zu ermöglichen. „Diese Umstellung braucht Zeit und das Mobilitätsverhalten verändert sich erfahrungsgemäß eher langsam.“

 Die rheinland-pfälzische Grünen-Politikerin Jutta Blatzheim-Roegler.  Foto: Erichsen dpa
Die rheinland-pfälzische Grünen-Politikerin Jutta Blatzheim-Roegler. Foto: Erichsen dpa FOTO: picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen
(dpa)