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Griff nach Frankfurts nächtlicher Luftfracht

 Der Hunsrück-Flughafen Hahn, der fünftgrößte deutsche Frachtairport, unterliegt nicht dem Nachtflugverbot. Foto: dpa
Der Hunsrück-Flughafen Hahn, der fünftgrößte deutsche Frachtairport, unterliegt nicht dem Nachtflugverbot. Foto: dpa
Mainz. Rheinland-Pfalz greift nach dem nächtlichen Frachtbetrieb des Frankfurter Flughafens. Im Falle eines Nachtflugverbots für den Flughafen könne der Hunsrückflughafen Hahn den nächtlichen Frachtbetrieb grundsätzlich übernehmen, heißt es in einem gestern in Mainz vorgestellten Gutachten für das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium

Mainz. Rheinland-Pfalz greift nach dem nächtlichen Frachtbetrieb des Frankfurter Flughafens. Im Falle eines Nachtflugverbots für den Flughafen könne der Hunsrückflughafen Hahn den nächtlichen Frachtbetrieb grundsätzlich übernehmen, heißt es in einem gestern in Mainz vorgestellten Gutachten für das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium. Für die Airlines gebe es dadurch keine wirtschaftlichen Nachteile, versprach Ressortchef Hendrik Hering (SPD, Foto: dpa), der die nötigen Investitionen am Hahn auf sechs bis acht Millionen Euro bezifferte. Der Minister bekräftigte zugleich die Forderung nach einem Nachtflugverbot in Frankfurt, um das derzeit ein Rechtsstreit tobt. Für den Flughafen Hahn - den fünftgrößten deutschen Frachtairport - gilt ein solches Verbot nicht. Das Gutachten stelle vor allem auf die Frachtflüge von Lufthansa Cargo ab, weil diese etwa 70 Prozent des Frachtaufkommens in Frankfurt ausmachten, sagte Hering. "Es gilt aber auch für andere Cargo-Airlines, die Frankfurt nutzen." Sie müssten keine wirtschaftlichen Nachteile fürchten, weil die Kosten für den Lkw-Transport der Güter durch niedrigere Flughafengebühren am Hahn ausgeglichen werden könnten. Laut Hering habe die Bevölkerung am Hahn nichts gegen Nachtflüge. Die Übernahme sei logistisch "absolut darstellbar", sagte Ingenieur Uwe Beck, der das Gutachten für die Dorsch Gruppe DC Airports angefertigt hatte. Die Fracht solle per Lkw zwischen den Flughäfen transportiert werden - "das sind ungefähr vier, fünf, sechs Trucks pro Flugzeug". Die Fahrtzeit betrage eineinhalb bis zwei Stunden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung stehe zum Ausbau des Frankfurter Flughafens, weil er die Rhein-Main-Region stärke, betonte Hering. "Wir stehen aber auch ganz konsequent zu dem Nachtflugverbot." Mit dem Flughafenausbau werde die Lärmbelastung "deutlich" zunehmen. Hering führte an, das Nachtflugverbot sei ursprünglich auch als Ausgleich für den Ausbau zugesagt gewesen. Nun gehe es "um die Glaubwürdigkeit der Politik". Die Kosten für das Gutachten bezifferte er auf 70 000 Euro. Der hessische Planfeststellungsbeschluss sieht für die Zeit nach der Erweiterung höchstens 17 Nachtflüge vor. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat die Genehmigung dieser Zahl infrage gestellt. Dagegen geht das Land vor.Insdessen befürchten die Grünen, dass der Hunsrück-Flughafen gegen Rhein-Main ausgespielt werden soll. "Wirtschaftsminister Hering dient der Lufthansa Cargo den Flughafen Hahn als Ausweichalternative an", sagte Eveline Lemke (Foto: pma), die rheinland-pfälzische Landesvorstandssprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen in einer Presseerklärung. Das Problem an der Sache sei nur, "dass die Lufthansa gar nicht will". Auf die aktuelle Situation am Hahn habe "das Schielen nach Frankfurt" und auf die Lufthansa Cargo überhaupt keine Auswirkung, so Lemke. Sie vermutete: "Die Landesregierung als Betreiberin des Flughafens Hahn sucht dringend nach Geschäftspartnern, um den Flughafen langfristig aus den roten Zahlen zu bekommen." Der Ausbau des Frachtverkehrs in der Nacht bringe dem Hunsrück aber nur mehr Maschinen, mehr Verkehr, mehr Lärm und mehr Lkw, die die Fracht wieder nach Frankfurt zurück bringen. Die Ausweitung des Frachtverkehrs in der Nacht gehe vielmehr ganz allein zu Lasten der Menschen im Hunsrück, so Lemke. dpa/red