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Gegen eine Stigmatisierung von Muslimen

Mainz. Sechs rheinland-pfälzische Islamverbände haben vor einer zunehmenden Muslimfeindlichkeit in Deutschland gewarnt. Die Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln dürften nicht dazu führen, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt werden, teilten sie am Freitag bei einem Treffen im Integrationsministerium in Mainz mit. Agentur

Die Gesellschaft polarisiere zunehmend und projiziere ihre Ängste auf Fremde, sagte Malika Laabdallaoui, Vertreterin des Zentralrats der Muslime (ZMD) Rheinland-Pfalz. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen sei nicht neu und habe nichts mit der Kultur zu tun. Der Rechtsstaat müsse "mit aller Härte" gegen die mutmaßlichen Sexualstraftäter vorgehen.

Die Verbände und die Landesregierung unterzeichneten eine Erklärung, in der sie sich zu einer humanitären Flüchtlingspolitik und zu Anstrengungen für ein gleichberechtigtes Leben bekennen. "Die Ressentiments gegen Muslime nehmen zu", sagte Miguel Vicente, Landesbeauftragter für Migration und Integration. "Dieser Entwicklung müssen wir begegnen." Im Land gibt es rund 160 000 Muslime . In der Erklärung heißt es, Regierung und Verbände wollten verhindern, dass die Gesellschaft durch diejenigen gespalten werde, "die aus bestimmten Ereignissen Kapital für ihre islamfeindlichen und populistischen Zwecke ziehen wollen".

Die Verbände betonten, dass sie sich auf vielfältige Weise in der Flüchtlingsarbeit engagierten: mit Deutschkursen, Kleider-, Koran- und Essensspenden, Begegnungsfesten oder Seelsorge. Der Glaube der Flüchtlinge spiele dabei keine Rolle. Es gehe vielmehr darum, Brücken zu bauen und Neuankömmlingen zu helfen, sich zu integrieren. Die islamischen Verbände meinen, dass dieses Engagement bisher kaum an die Öffentlichkeit dringt.