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Polizei Rheinland-Pfalz
Ganz schön viel Betrieb im virtuellen Revier

 Ganz schön bequem und sogar vom Wohnzimmersessel aus zu erledigen: Mit ihrem Tablet-Computer ruft eine Frau von zuhause aus die Online-Wache der rheinland-pfälzischen Polizei im Internet auf. Diebstähle oder Betrügereien können auf diese Weise angezeigt werden.
Ganz schön bequem und sogar vom Wohnzimmersessel aus zu erledigen: Mit ihrem Tablet-Computer ruft eine Frau von zuhause aus die Online-Wache der rheinland-pfälzischen Polizei im Internet auf. Diebstähle oder Betrügereien können auf diese Weise angezeigt werden. FOTO: dpa / Harald Tittel
Mainz. Gut 30-mal am Tag sind die Diensthabenden der rheinland-pfälzischen Online-Wache gefordert. Noch geht es vor allem um Diebstähle, Betrügereien und Sachbeschädigungen. Von Rolf Seydewitz

Kaum hatte der 25-jährige Mann aus Rheinland-Pfalz sein neues Girokonto eröffnet und die EC-Karte per E-Mail aktiviert, erlebte er eine böse Überraschung: Der Angestellte konnte sein E-Mail-Konto plötzlich nicht mehr öffnen, und von seinem Girokonto waren zwischenzeitlich etliche Überweisungen gemacht worden. Der Betrogene ließ umgehend sein Konto sperren und erstattete Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei.

Bis Dezember vergangenen Jahres hätte der 25-Jährige dafür persönlich auf der Wache erscheinen müssen. Da er auf dem Dorf wohnt, hätte er ins Auto steigen und in die nächstgrößere Stadt fahren müssen. Alles in allem eine reichlich zeitaufwendige Angelegenheit, für die der Geschädigte womöglich auch noch einen halben Arbeitstag hätte freinehmen müssen. Schnee von gestern: Wer Opfer von Betrügereien geworden ist oder etwa sein Fahrrad oder das Portemonnaie gestohlen bekam, kann dies inzwischen auch online melden. Ein persönliches Erscheinen auf der Wache ist dafür nicht mehr notwendig.

Die über das Internetportal der rheinland-pfälzischen Polizei eingegangenen Strafanzeigen und Hinweise werden zunächst zentral vom Landeskriminalamt gesichtet. Der beim LKA in Mainz angesiedelte Lage- und Dauerdienst ist rund um die Uhr besetzt. Vom LKA werden die Vorgänge dann an die jeweils zuständige Polizeidienststelle weitergeleitet. Darüber wird der Anzeigenerstatter per E-Mail informiert. Von den in zwei Monaten insgesamt 2035 eingetroffenen Anzeigen und Hinweisen kam gut ein Zehntel aus der Region Trier. Der Fall des 25-jährigen Angestellten war einer davon.



„Maximal zehn Minuten soll es dauern, bis man in der Online-Wache eine Anzeige erstattet hat“, sagte Magnus Schröder beim Start der Internetwache. Der Trierer Kripobeamte war Projektleiter für die virtuelle Polizeidienststelle. Seinerzeit rechnete LKA-Präsident Johannes Kunz damit, dass täglich etwa 80 Anzeigen und 20 Hinweise übers Internet die Polizei erreichen würden. Von dieser Zahl ist man derzeit in Rheinland-Pfalz angesichts von täglich gut 30 Internet-Eingaben allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Trotzdem sind die Verantwortlichen mit dem Start zufrieden. „Die Online-Wache wird von den Bürgern im Land positiv angenommen“, sagt LKA-Sprecherin Jessica Maron. Erfahrungen, die sich auch mit denen andernorts decken. Rheinland-Pfalz und das Saarland waren Ende vergangenen Jahres mit die letzten Bundesländer, in denen eine Internetwache aus der Taufe gehoben wurde. Dass es überhaupt dazu kam, ist vor allem dem grünen Koalitionspartner zu verdanken, der in diesem Punkt nicht lockerließ.

Das Landeskriminalamt kündigt derweil an, das Angebot der Internetwache kontinuierlich zu verbessern. Die Erfahrung aus anderen Bundesländern lehrt, dass mit der Zeit und einem besseren Angebot auch die Nutzerzahlen deutlich steigen. Verzeichnete zum Beispiel die niedersächsische Polizei im Startjahr 2007 rund 6000 Anzeigen und andere Vorgänge, waren es zehn Jahre später bereits 40 000. In den meisten Fällen wurden Fahrraddiebstähle gemeldet und – passend zum Eingabemedium – unterschiedliche Formen der Internetkriminalität.

Auch in Berlin, wo die Online-Wache bereits seit 2005 rund um die Uhr geöffnet ist, steigt der Zuspruch kontinuierlich an – auf mittlerweile rund 100 000 Kontaktaufnahmen jährlich. 85 Prozent davon sind Strafanzeigen, zehn Prozent Hinweise. Versammlungsanmeldungen, Beschwerden und Dankschreiben machen zusammen nur 3,5 Prozent der Meldungen aus. Zum Vergleich: Jährlich werden in Berlin rund 800 000 Strafanzeigen auf die herkömmliche Art gestellt, indem die Opfer selbst zur Polizei gehen.

Auch wenn die Internetwachen damit werben, rund um die Uhr geöffnet zu sein, kann es auch dort schon mal haken. Vor einem guten Jahr sorgte in Niedersachsen ein dummer Fehler nach Wartungsarbeiten dafür, dass übers Internet eingegebene Anzeigen stundenlang nicht gespeichert wurden. Die Anzeigenerstatter bekamen davon nichts mit. Etwa 85 der an diesem Tag eingegebene Anzeigen und Hinweise konnten auch im Nachhinein nicht mehr rekonstruiert werden.

In diesen Fällen wären die Geschädigten wohl doch besser selbst auf der Wache erschienen.