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Historisch beispielloser Schritt
Firmenbosse und DGB warnen vor Wahl der AfD

Mainz. In einem bislang beispiellosen Schritt rufen Unternehmer und Gewerkschaften in Rheinland-Pfalz dazu auf, der AfD die Stimme zu verweigern. Die AfD kritisiert die Aktion.

(flor) Unternehmer und Gewerkschafter in Rheinland-Pfalz warnen, dass die EU nach der Europawahl populistischen Kräften in die Hände fällt. Im Land ziehen die alten Klassenfeinde daher vor dem 26. Mai an einem Strang und sprechen sich erstmals in ihrer Geschichte gemeinsam gegen die Wahl einer populistischen Partei aus. In Rheinland-Pfalz nennen die Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einem Interview mit unserer Zeitungsgruppe dabei die AfD.

„Das Schicksal Europas steht auf dem Spiel“, sagt LVU-Chef Gerhard Braun. Dietmar Muscheid, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, nennt es einen „Anachronismus, dass sich nationalistische Parteien zur Wahl stellen, um Europa abzuschaffen“. LVU und DGB stören sich an dem Europawahlprogramm der AfD, diese spreche darin von einem „Dexit“ – einem möglichen Austritt Deutschlands aus der EU.Braun warnt, mit einem solchen Schritt fielen alle Vorzüge der EU im Weltmarkt weg, es gäbe Grenzkontrollen mit enormen Mehrkosten für Unternehmen. Wohlstand und Beschäftigung seien gefährdet.

Die AfD wolle alles abschaffen, wofür Europa stehe, behauptet Muscheid. Die Gefahr, mit dem Aufruf Teile der eigenen Basis zu verprellen, teilt er nicht. Bei der Bundestagswahl 2017 landete die AfD bei 12,6 Prozent, unter Gewerkschaftswählern aber bei 15 Prozent.



Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge kritisiert den Aufruf zur Nicht-Wahl seiner Partei. „LVU und DGB fügen sich selbst den größten Schaden zu. Bei den tiefroten Gewerkschaften verwundert mich dieser Vorstoß keineswegs – bei der LVU schon eher“, sagt Junge. Er dementiert, dass seine Partei Europa schwächen wolle. Hinter dem AfD-Konzept eines „Europas der Vaterländer“ stehe der Kerngedanke von Adenauer und de Gaulle, Nationen und Bürger zu stärken.