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Mahnung: Parlamente wichtiger als Talkshows
Ministerpräsidenten-Quartett bei Becks 70.

 Vier Ex-Ministerpräsidenten und die amtierende Landeschefin waren gestern Abend bei der Feierstunde zum 70. Geburtstag von Kurt Beck. Von links: Bernhard Vogel, Malu Dreyer, Beck und Rudolf Scharping.
Vier Ex-Ministerpräsidenten und die amtierende Landeschefin waren gestern Abend bei der Feierstunde zum 70. Geburtstag von Kurt Beck. Von links: Bernhard Vogel, Malu Dreyer, Beck und Rudolf Scharping. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz. Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Chef Kurt Beck hat an seinem 70. Geburtstag die Bedeutung des demokratischen Diskurses in den Parlamenten hervor gehoben. „Die Parlamente sind es, worauf es ankommt“, betonte Beck am Dienstagabend in der Staatskanzlei in Mainz mit Blick auf Debatten in Talkshows.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte, Becks „große Leidenschaft für Gerechtigkeit“ habe aus ihn „den Politiker mit Herz und Temperament“ gemacht. Beck sei es wichtig gewesen, allen die gleichen Chancen in der Bildungspolitik zu geben, und er habe die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz an die Spitze in Deutschland geführt. Dreyer würdigte zudem Becks Fähigkeit stets „alle an einen Tisch zu holen“. Er habe wirtschaftlichen Erfolg immer mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz verbunden.

Unter den 200 Gästen waren die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und viele langjährige Weggefährten wie Becks Amtsvorgänger Bernhard Vogel (CDU) und Rudolf Scharping (SPD), sowie Rainer Brüderle (FDP), unter Beck Wirtschaftsminister.

ZDF-Intendant Thomas Bellut lobte Becks 23 Jahre währendes Engagement im Verwaltungsrat des Senders. Er sei immer pragmatisch auf Lösungen orientiert und „ungeheuer pflichtbewusst und beständig“ gewesen. Politisch habe er sich nie in das Programm eingemischt. „Kurt Beck war immer profund vorbereitet und ein super Ratgeber.“



Die rheinland-pfälzische CDU-­Vorsitzende Julia Klöckner hatte Beck zuvor in einer Mitteilung als „einen Streiter für seine Überzeugungen, auch auf bundespolitischer Ebene“ gewürdigt. Trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen sei „Becks Engagement und sein Herzblut“ zu loben, mit denen er für Rheinland-Pfalz gekämpft habe. „Er ist noch immer ein pfälzischer Vollblutpolitiker, von dem sich heute so mancher Sozialdemokrat eine Scheibe abschneiden kann.“

Grünen-Landtagsfraktionschef Bernhard Braun würdigte Becks Bürgernähe und tiefe Heimatverbundenheit, er habe die Geschicke des Landes maßgeblich geprägt.