| 00:27 Uhr

Experten warnen vor "Impfmüdigkeit"

Mainz. In Mainz ist gestern vor etwa 200 Teilnehmern aus Gesundheitswesen und Politik die erste "Nationale Impfkonferenz" eröffnet worden. Zum Auftakt des dreitägigen Kongresses beklagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) die "schleichende Impfmüdigkeit" in der Bevölkerung

Mainz. In Mainz ist gestern vor etwa 200 Teilnehmern aus Gesundheitswesen und Politik die erste "Nationale Impfkonferenz" eröffnet worden. Zum Auftakt des dreitägigen Kongresses beklagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) die "schleichende Impfmüdigkeit" in der Bevölkerung. In Deutschland gebe es zurzeit keinen flächendeckenden Impfschutz gegen Krankheiten wie Keuchhusten, Mumps oder Masern. Zugleich rief die Ministerin dazu auf, die Argumente von Impfgegnern ernster zu nehmen als bisher. Kritik dürfe nicht mit einer Handbewegung abgetan werden. Eine gewisse Skepsis gegenüber einzelnen Impfungen sei nachvollziehbar, sagte Dreyer. Die Vorbehalte dürften jedoch nicht verallgemeinert werden. Familien müssten davon überzeugt werden, dass der Impfschutz des Einzelnen letztlich der Allgemeinheit zugute komme. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte ihre angekündigte Teilnahme an der Konferenz kurzfristig abgesagt. In einem Video-Grußwort warf sie impfkritischen Ärzten unverantwortliches Verhalten vor. "Es ist nicht hinnehmbar, dass in Deutschland Kinder an Masern sterben", sagte die Ministerin. Bei einem Ausbruch der Masern in Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2006 insgesamt 1700 Kinder erkrankt. Zwei von ihnen kamen ums Leben, 95 weitere mussten stationär behandelt werden. In vielen deutschen Unternehmen kommt der Impfschutz der Angestellten nach Einschätzung des Arbeitsmediziners Professor Friedrich Hofmann zu kurz. Betroffen seien vor allem zahlreiche Kleinbetriebe, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission der Bundesregierung am Robert Koch Institut (Stiko). "Die Arbeitgeber sollten bei der Gesundheitsvorsorge mehr in die Pflicht genommen werden. Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen die Arbeitgeber sich weigerten, arbeitsmedizinisch notwendige Impfungen zu bezahlen", sagte Hofmann. Dazu zähle der Schutz gegen Hepatitis B und A sowie gegen Masern-Mumps-Röteln. Betriebsärzte sollten das Thema Impfen bei jedem Kontakt mit Beschäftigten ansprechen, regte Hofmann an, der auch den Fachbereich Arbeitsmedizin der Uni Wuppertal leitet. epd/dpa



StichwortDie Ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO) gehört zum Robert Koch-Institut (RKI). Die Kommission wird grundsätzlich alle drei Jahre neu berufen und hat 12 bis 18 Mitglieder. Sie stammen aus unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft, aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst und der Ärzteschaft. Sie geben Empfehlungen für Schutzimpfungen und andere Prophylaxe zu entwickeln, die Menschen vor Krankheiten bewahren sollen. Die Kommission äußert sich auch dazu, welche Impfungen von Krankenversicherungen bezahlt werden sollten. dpa