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Nach Fund der „Hitler-Glocke“ in Herxheim
Evangelische Kirche der Pfalz sucht weitere NS-Glocken

 Die Herxheimer „Hitler-Glocke“ läutet mittlerweile nicht mehr.
Die Herxheimer „Hitler-Glocke“ läutet mittlerweile nicht mehr. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Speyer. Glocken mit NS-Aufschriften in der Pfalz sorgen seit Wochen für Aufregung. Nun will die evangelische Kirche nach weiteren, ähnlichen Glocken suchen.

Nach dem Fund der „Hitler-Glocke“ in Herxheim will die evangelische Landeskirche der Pfalz in ihrem Gebiet nach weiteren Glocken mit Aufschriften aus der Nazi-Zeit suchen. „Wir wollen in den Kirchtürmen gründlich nachschauen“, sagte ein Sprecher am Freitag. Wie lange die Suche dauere, sei noch völlig offen. Andere Kirchen in Rheinland-Pfalz sehen derweil keinen Handlungsbedarf, wie eine Umfrage ergab. Neben Herxheim war auch im südpfälzischen Essingen eine Glocke mit NS-Aufschrift entdeckt worden.

Der evangelischen Kirche der Pfalz sind nach Angaben des Sprechers 516 Kirchengebäude zugeordnet. Rund 130 davon seien aber nach 1945 erbaut worden – hier könne man Glocken aus der NS-Zeit ausschließen. Wichtig sei, bei einem möglichen Fund die Besitzverhältnisse zu klären. Die Kapelle in Essingen etwa, in der die NS-Glocke hängt, gehört nach Angaben der dortigen Bürgermeisterin den beiden großen christlichen Kirchen. Die Herxheimer Glocke gehört der Ortsgemeinde.

Ein Sprecher der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in deren Gebiet rund 4000 Glocken geläutet werden, sagte indes: „Wir haben keine Suche geplant“. Man sei Inventarlisten durchgegangen und habe keine Hinweise auf Glocken mit Aufschriften aus der NS-Zeit gefunden. Gleiches teilte die evangelische Kirche im Rheinland mit.



Auch die großen katholischen Kirchen in Rheinland-Pfalz gehen nicht davon aus, dass Glocken mit Nazi-Aufschriften oder -Symbolen in ihren Gebieten erklingen. Eine Suche ist daher auch nicht angedacht, wie die Bistümer in Mainz, Speyer und Trier mitteilten.

Vor allem die Herxheimer Glocke mit der Aufschrift „Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler“ hat über Wochen hinweg für Kontroversen gesorgt. Sie hängt seit 1934 im Turm der protestantischen Kirche. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) setzt sich dafür ein, dass der Klangkörper abgehängt wird. Ein Gutachten soll den künftigen Umgang mit der Glocke klären – geläutet wird sie vorerst nicht mehr.

(dpa)