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Wenig Präsenz
Es ist ruhig geworden um Katarina Barley

  Hat eine beachtliche Karriere hingelegt: Katarina Barley (SPD).     Foto: dpa
Hat eine beachtliche Karriere hingelegt: Katarina Barley (SPD). Foto: dpa FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Trier. Die 51 Jahre alte Sozialdemokratin aus Schweich ist mit ihrem Einzug ins Europäische Parlament von der Berliner Bühne zunächst einmal verschwunden. Von Rolf Seydewitz

Was macht eigentlich Katarina Barley? Die Zeiten, in denen die Sozialdemokratin nahezu Tag für Tag in den Medien auftauchte und sich über Gott und die Welt äußerte, sind vorbei. Erst einmal. Seit die 51-jährige Juristin für die deutschen Sozialdemokraten Mitte des Jahres ins Europäische Parlament eingezogen ist, ist es um Katarina Barley vergleichsweise ruhig geworden.

Wer wissen möchte, was die SPD-Frau gerade macht, muss schon in den (sozialen) Medien gezielt nach ihr auf Suche gehen. Vor ihrem Wechsel nach Brüssel wurden die Barley-Infos übers Netz, die Zeitungen oder andere Medien quasi täglich frei Haus geliefert.

Ihre politische Karriere bis dahin: durchaus atemberaubend. Als Parlamentsneuling mit gerade einmal zweijähriger Erfahrung wurde Katarina Barley im Dezember 2015 zur SPD-Generalsekretärin gewählt. Zwei Jahre später Bundesfamilienministerin, kommissarische Arbeitsministerin und schließlich – ihr Leib- und Magenressort – Bundesjustizministerin.



Drei Ministerinnenposten in so kurzer Zeit nötigten bei der Überreichung der Entlassungsurkunde Ende Juni auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Respekt ab. „Sie werden gerufen, wenn es brennt. Und Sie lassen sich in die Pflicht nehmen, wo es notwendig ist“, lobte Steinmeier die Spitzenpolitikerin, die auf dem bundespolitischen Parkett so rasch Karriere gemacht hat wie nur wenige.

Die promovierte Juristin wäre gerne noch auf der Berliner Polit-Bühne geblieben. Doch sie ließ sich von der da noch amtierenden SPD-Chefin Andrea Nahles für die Spitzenkandidatur bei der Europawahl in die Pflicht nehmen. (Für die Nahles-Nachfolge war übrigens auch Katarina Barleys Name häufiger genannt worden.)

Natürlich schaffte Barley den Sprung ins Europäische Parlament, wo sich die Schweicher Genossin nicht lange damit begnügte, „nur“ eine einfache Abgeordnete zu sein. Gleich in der ersten Straßburger Sitzung kandidierte die einstige Multi-Ministerin Anfang Juli für den Posten der Parlaments-Vizepräsidentin und bekam – neben 13 anderen – prompt den Zuschlag.

„Drittbestes Ergebnis. Und das als Neue. Vielen herzlichen Dank für dieses überwältigende Vertrauen“, kommentiert die Schweicher Genossin im Internet sogleich ihr gutes Abschneiden – und setzte zum Beweis noch ein Foto der Anzeigentafel mit dem Abstimmungsergebnis dazu. Die Botschaft dahinter: Ich mache in Straßburg und Brüssel genauso erfolgreich weiter, wie ich in Berlin aufgehört habe.

Wer sich die Facebookseite der mit dem ehemaligen Trierer Basketballtrainer Marco van den Berg liierten SPD-Frau anschaut, kann sich davon ein Bild machen. Mal spricht sie mit EU-Kommissar Frans Timmermans, mal formuliert sie ihre Anforderungen an die neue EU-Kommission, und mal spricht Barley über Transparenz im Parlament.

In der Öffentlichkeit wird Katarina Barley seit ihrem Wechsel nach Brüssel weniger wahrgenommen als zu ihrer Berliner Zeit. Aber wer weiß schon, ob die Genossen nicht bald mal wieder eine Feuerwehrfrau in Berlin brauchen?!