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Ermittlungen gegen Bundespolizisten
Staatsanwalt ermittelt gegen einen prügelnden Bundespolizisten

Prüm/Trier. Ein Video zeigt einen Beamten, der nach einer Verfolgungsjagd einen am Boden liegenden Mann in Prüm tritt und schlägt. Nun zieht der 32-sekündige Film eine Untersuchung nach sich.

Das Video ist schockierend: Neben einem schwarzen Wagen mit Blaulicht auf dem Dach zeigt es, wie ein Mann in einer leuchtend gelben Jacke auf ein am Boden liegendes Opfer losgeht. Er tritt mehrfach zu. Außerdem schlägt er mit einem nicht zu identifizierenden Gegenstand auf ihn ein. Der 32-sekündige Film von einer Festnahme in Prüm verbreitet sich schnell im Internet. Irgendwann spielt jemand das Video der Polizei zu. Denn der prügelnde Mann ist ein Bundespolizist. Und die Szene zeigt eine Festnahme nach einer Verfolgungsjagd durch die Eifel in der Nacht zum Montag. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Trier am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

Der Leitende Oberstaatsanwalt in Trier, Peter Fritzen, erklärt, dass der Film die Festnahme eines Mannes durch Beamte der Bundespolizei in der Nacht von Sonntag auf Montag, kurz nach Mitternacht, auf dem Hahnplatz in Prüm zeige. „Auf dem Video ist zu sehen, dass einer der Beamten dem Festgenommenen mehrere Schläge mit einem Gegenstand und Tritte versetzte, nachdem dieser aus dem Fahrzeug herausgezogen worden war“, heißt es darin im Wortlaut. Die Konsequenz wegen eines ausreichenden Anfangsverdachts ist unumgänglich: „Die Staatsanwaltschaft Trier hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen Beamten der Bundespolizei wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt eingeleitet.“ Fritzen weist auch darauf hin, dass der Festgenommene Widerstand geleistet haben soll. Das ist in dem Video nicht zu sehen.

Das Video sei der Behörde am Mittwoch von der Bundespolizeiinspektion Trier übergeben worden. Ursprünglich sei es anonym der Polizei in Prüm zugespielt worden. Fritzen weist auch auf die Vorgeschichte der Szenen im Video hin: Ein weißer BMW mit französischem Kennzeichen hatte sich einer Kontrolle der Bundespolizei auf der Autobahn A 60 in der Nähe der deutsch-belgischen Grenze entzogen. Die Bundespolizei habe den Wagen mit zwei Fahrzeugen verfolgt. Bei der Verfolgungsjagd mit zum Teil über 100 Kilometern pro Stunde innerorts sei es mehrfach zu gefährlichen Manövern des flüchtenden Fahrzeugs gekommen, sagt Fritzen. Am Hahnplatz in Prüm sei die Fahrt gestoppt worden. Dort sei ein Polizeiwagen mit dem Fluchtauto zusammengestoßen. Die Beamten nahmen die drei Insassen des Fahrzeugs vorläufig fest. Fahrer und Beifahrer hätten unter Drogeneinfluss gestanden.



Bei einer Durchsuchung des Fahrzeugs wurden mehrere Behältnisse mit kleineren Mengen Betäubungsmitteln gefunden. Auf Nachfrage sagt der Leitende Oberstaatsanwalt, dass es sich vor allem um Marihuana und Haschisch gehandelt habe. Gegen die Insassen des flüchtenden Fahrzeugs, drei französische Staatsangehörige im Alter von 22 bis 26 Jahren, sei deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen verschiedener Verkehrsdelikte eingeleitet worden. Die Männer seien aber wieder auf freiem Fuß, sagt Fritzen auf Nachfrage: „Der Führerschein des Fahrers wurde beschlagnahmt.“

Der Urheber des Videos ist den Ermittlern nicht bekannt. Die Polizei in Prüm bittet Zeugen, sich unter (0 65 51) 94 20 zu melden.