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Katholische Kirche
Ende der Schweigsamkeit

 280 Synodale  saßen 2016 bei der letzten Vollversammlung der Synode in Trier zusammen. Dreieinhalb Jahre später stockt die Bistumsreform.
280 Synodale  saßen 2016 bei der letzten Vollversammlung der Synode in Trier zusammen. Dreieinhalb Jahre später stockt die Bistumsreform. FOTO: Harald Tittel
Trier. Was sagt der Trierer Bischof eigentlich zur Aussetzung seines Synodengesetzes? Bislang hat Stephan Ackermann dazu öffentlich geschwiegen. Das wird sich an diesem Wochenende ändern. Von Rolf Seydewitz

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann will sich an diesem Wochenende erstmals öffentlich zur von der römischen Kleruskongregation ausgebremsten Strukturreform äußern. Wie Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg diese Woche ankündigte, wird sich Stephan Ackermann mit einem „geistlichen Wort“ an alle Gläubigen wenden. Das Schreiben des Bischofs soll in allen Gottesdiensten verlesen werden. Es wird damit gerechnet, dass der 56-Jährige die Gläubigen im Bistum um Geduld bitten und zur Einheit aufrufen wird.

Mehrere kirchliche Berufsgruppen aus dem Bistum haben sich derweil in einem gemeinsamen Schreiben hinter die Synodenergebnisse gestellt und den Bischof ermutigt, „den Weg der Synodenumsetzung konsequent und überzeugt weiterzugehen“. Der Synodenbeschluss weise für die Kirche im Bistum in die richtige Richtung, heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Brief der Pastoral- und Gemeindereferenten, Plattform P-Priester und ständigen Diakone.

In dem dreiseitigen Schreiben wird zugleich scharfe Kritik an der Priestergemeinschaft Unio Apostolica geäußert, deren Beschwerde in Rom die Umsetzung der Synodenergebnisse verzögere und so etwa verhindere, dass die ersten 15 Großpfarreien ihre Arbeit aufnehmen könnten. Durch den Aufschub würden die Menschen in den betroffenen Pfarreien zusätzlich verunsichert. Die römische Kleruskongregation hatte nach mehreren Beschwerden vergangenen Woche das Synodengesetz ausgesetzt. Damit liegt die Strukturreform des Bistums derzeit auf Eis. Wie lange, ist unklar.



Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller schätzt, dass die Prüfung des Gesetzes zwischen drei und neun Monaten dauern könne. Ursprünglich sollten die ersten 15 von 35 geplanten Großpfarreien Anfang Januar an den Start gehen. Die übrigen 20 XXL-Pfarreien sollten  ein Jahr später folgen. Derzeit gibt es im Bistum Trier noch 887 Kirchengemeinden.

Der Deutschland-Leiter der Priesterbruderschaft Unio Apostolica, der ehemalige Saarburger Pastor Peter Leick, sagte am Freitag, er sei erschüttert, wie gespalten das Bistum in der Debatte über die Strukturreform sei. Er habe in den vergangenen Tagen „sehr viele negative, aber auch sehr viele positive Rückmeldungen“ erhalten. Mit derart unterschiedlichen Reaktionen müsse man aber rechnen, wenn man sich klar positioniere. Leick rief alle Beteiligten zur Sachlichkeit auf. Jetzt nach Schuldigen zu suchen, wäre fatal, meint der Deutschland-Leiter der Priesterbruderschaft.

Neben den pastoralen Berufsgruppen und dem Katholikenrat als oberstes Laiengremium haben sich auch die Ordensoberen im Bistum „enttäuscht über die Intervention aus Rom“ geäußert. In einer von mehreren Orden, darunter die Barmherzigen Brüder Trier und die Waldbreitbacher Franziskanerinnen, unterzeichneten Stellungnahme heißt es, man stehe „voll und ganz hinter den Aussagen des Schlussdokuments der Synode“ und sei davon überzeugt, dass sich die Kirche notwendigen Veränderungen nicht verschließen dürfe. Dass Veränderungen auch mit Widerständen einhergingen, wüssten die Ordensoberen aus eigenem Erleben nur zu gut.

Der Religionssoziologe Gert Pickel warnt indes vor dem Abbau kirchlicher Strukturen auf dem Land. Studien belegten, dass dort die Bindung an die beiden großen Kirchen pro Kopf wesentlich höher sei als in den Städten. Reformen wie sie das Bistum Trier mit der Einrichtung von Großpfarreien ursprünglich geplant hatte, sieht Pickel kritisch. Letztlich sei das nur eine Mangelverwaltung“, sagte er der Zeit-Beilage „Christ und Welt“. Darunter litten vor allem die Seelsorge und das Glaubensleben. „Die Leute fahren innerhalb einer Großgemeinde ja nicht kilometerweit über Ortschaften hinweg in den nächsten Gottesdienst.“

Der Soziologe forderte deswegen, Laien stärker einzubeziehen. Das sei das „Überlebenselixier“ für ländliche Regionen. Dafür fehle den Kirchen aber bislang noch das Vertrauen, dass auch die einfachen Gläubigen etwas auf die Beine stellen könnten, das eine theologische Tiefe erreiche.