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Katholische Kirche
Ein Bischof zwischen allen Stühlen

 Geriet immer wieder  in Erklärungsnöte: Bischof Stephan Ackermann.
Geriet immer wieder in Erklärungsnöte: Bischof Stephan Ackermann. FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier. Zuletzt auch noch von Rom ausgebremst: Für Stephan Ackermann war das Jahr 2019 kein gutes. Von Rolf Seydewitz

Es war kein gutes Jahr für Triers Bischof Stephan Ackermann. Genau genommen war es sogar das schlechteste, seit Ackermann vor gut zehn Jahren als Nachfolger des heutigen Münchner Kardinals Reinhard Marx in sein Amt eingeführt wurde. In der Folgezeit machte der gebürtige Mayener rasch auf sich aufmerksam, indem er etwa den bei der Bischofskonferenz in Ungnade gefallenen Bitburger Aids-Priester Stefan Hippler unter seine Fittiche nahm, sich mit Homosexuellen traf oder den Job des Missbrauchsbeauftragten übernahm. Der mit damals 46 Jahren für kirchliche Verhältnisse fast noch jugendliche Stephan Ackermann galt rasch als Shooting Star in der ergrauten Riege der deutschen Bischöfe.

Zehn Jahre später setzen die Akzente längst andere Kirchenmänner – der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, sein Mainzer Kollege Peter Kohlgraf oder Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Und Stephan Ackermann? Arbeitet sich seit Monaten an seinen beiden Dauerbaustellen Opferentschädigung und Bistumsreform ab.

Zuletzt machte Ende November ausgerechnet der Vatikan dem Trierer Oberhirten einen dicken Strich durch die Rechnung, indem die Kleruskongregation Ackermanns ehrgeizigstes Reformvorhaben auf Eis legte.



Damit sind die für Anfang Januar 2020 fest eingeplanten ersten 15 (von insgesamt 35) neuen Großpfarreien zunächst einmal auf unabsehbare Zeit verschoben. Und dann? Wie lange die römische Hängepartie dauert, ist ungewiss. Vielleicht ein paar Monate, eventuell ein halbes Jahr, schlimmstenfalls länger.

Dass die Trierer Pläne nach dem Votum aus Rom noch einmal zumindest leicht überarbeitet werden müssen, gilt als sicher. Dass der Trierer Bischof jetzt davon spricht, man bekomme durch die Aussetzung eine größere Rechtssicherheit, klingt wie Pfeifen im Walde. Warum hat Stephan Ackermann das Synodengesetz nicht kirchenrechtlich intensiver prüfen lassen, bevor er es auf den Weg gebracht hat? So oder so: Die Bistumsreform ist verkorkst, noch bevor sie begonnen hat.

Ein ähnliches Tohuwabohu droht dem Trierer Bischof auch in seiner Funktion als kirchlicher Missbrauchsbeauftragter. Da sitzt Stephan Ackermann derzeit zwischen allen Stühlen: Etliche Opfer misstrauen ihm, und längst nicht alle Bischöfe sind mit der Arbeit ihres Beauftragten zufrieden. Beim Thema Entschädigungszahlungen für die Opfer setzte sich Ackermann Ende des Jahres gleich doppelt ins Fettnäpfchen, als er die Kirchensteuer dafür anzapfen wollte und noch einen unglückseligen Maut-Vergleich hinterherschob, für den er sich aber am nächsten Tag entschuldigte.

Auch dieses leidige Thema wird Stephan Ackermann im neuen Jahr nicht loslassen. Viel schlechter als 2019 kann 2020 für den Trierer Bischof nicht werden.