| 22:40 Uhr

Online-Befragung von Jugendlichen
„Dorf-Test“ vor den Kommunalwahlen

Mit einer Online-Befragung will der Landesjugendring Rheinland-Pfalz vor der Kommunalwahl im Mai 2019 die konkrete Lebenssituation von Jugendlichen erkunden.
Mit einer Online-Befragung will der Landesjugendring Rheinland-Pfalz vor der Kommunalwahl im Mai 2019 die konkrete Lebenssituation von Jugendlichen erkunden. FOTO: dpa / Silas Stein
Mainz. Wo drückt Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Schuh? Bis Ende Dezember können sich Menschen von 13 bis 23 Jahren an der Aktion des Landesjugendrings beteiligen. Auch Politiker sind zum Mitmachen aufgefordert.

Die Jugendverbände in Rheinland-Pfalz wollen sich zur Kommunalwahl im Mai 2019 mit konkreten Anliegen einmischen. Um Nöte und Forderungen von Jugendlichen vor Ort zu dokumentieren, hat der Dachverband jetzt eine Online-Befragung gestartet. „Wir wollen vor der Kommunalwahl wissen, an welchen Ecken es hapert und wo Verbesserungen erwirkt werden sollen“, sagt Landesjugendring-Sprecherin Nadya Konrad.

Der „Dorf-Test“ (https://dorf-test.de/) wendet sich an Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren – auch an die in den Städten. Sie werden bis Ende Dezember etwa gefragt, ob es an ihrem Ort ein Jugendzentrum oder Plätze gibt, um sich draußen mit Freunden zu treffen. Auch das ÖPNV-Angebot an den jeweiligen Wohnorten soll bewertet werden.

Die Teilnehmer sollen auch einschätzen, wie jugendfreundlich ihr Ort ist und wie sie das Miteinander von Jung und Alt empfinden. Schließlich werden die Jugendlichen gefragt, welche Möglichkeiten der Mitbestimmung sie haben, ob sie ein Wahlalter schon ab 14 oder erst ab 16 Jahren befürworten oder ob es einfach beim Wahlalter mit 18 Jahren bleiben soll.



Die drei Regierungsfraktionen SPD, FDP und Grüne dringen schon länger auf ein Wahlalter von 16 Jahren. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament nötig, weil die Landesverfassung geändert werden müsste. Die CDU-Fraktion ist jedoch dagegen, ihr jugendpolitischer Sprecher Dirk Herber spricht von „Zwangsbeglücken“ und verweist auf Umfragen, wonach eine Senkung des Wahlalters „von denen, die es betrifft, mehrheitlich abgelehnt“ werde.

Auch ein erster „Dorf-Test“ des Landesjugendrings kam 2009 mit damals mehr als 3600 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass 57,6 Prozent keine Veränderung beim Wahlalter wünschten. Für ein Wahlalter von 16 Jahren sprachen sich bei der damaligen Erhebung mit Papierfragebögen 29,2 Prozent aus, für ein Wahlalter von 14 Jahren waren es 13,2 Prozent.

„Wir glauben, dass viele Jugendliche einfach wählen möchten, gerade die zwischen 16 und 18 Jahren“, sagt Konrad. Als Online-Befragung kann der aktuelle „Dorf-Test“, der zusammen mit dem RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz aufgestellt wurde, nicht repräsentativ sein. Der Landesjugendring hofft aber auf eine rege Beteiligung, die den Ergebnissen dann auch eine entsprechende Aussagekraft geben soll.

Begleitet wird die Jugendumfrage von einer Befragung von Politikern und Kandidaten für die Landtagswahl. Es werde interessant sein, die Wahrnehmung von Jugendlichen und Politikern miteinander zu vergleichen, sagt Konrad.

Gleich ausgefüllt hat der CDU-Landtagsabgeordnete Herber den Fragebogen. „Sehr gespannt bin ich auf die Ergebnisse“, sagt er. „Politik für junge Leute können wir nur machen, wenn wir wissen, was sie bewegt, wo sie Defizite sehen, welche Änderungen sie sich wünschen.“ Da könne der „Dorf-Test“ des Landesjugendrings eine recht gute Grundlage sein.

Die Ergebnisse sollen im Februar oder März veröffentlicht werden. Neben einer landesweiten Auswertung kann es auch Angaben zu einzelnen Orten geben.

Von einer „tollen Initiative“ spricht der SPD-Abgeordnete Marc Ruland. Kinder und Jugendliche könnten so ihre Bedürfnisse in den politischen Raum tragen und mit Politikern ins Gespräch kommen. „Junge Menschen müssen mehr Teilhaberechte erhalten“, sagt Ruland, der für die Einführung des aktiven Wahlrechts ab 16 Jahren ist. Die Oppenheimerin Pia Schellhammer sieht in dem „Dorf-Test“ ein gutes Angebot, um den Anliegen junger Menschen Gehör zu verschaffen. „Ich merke selbst in der Kommunalpolitik, dass Jugendliche zu wenig Beachtung finden“, sagte die kommunalpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. „Deshalb ist es super, dass der Landesjugendring sie nun landesweit befragt und die Antworten noch vor der Kommunalwahl veröffentlicht.“

Der Landesjugendring besteht aus 24 Organisationen, darunter kirchliche und politische Gruppen, die DGB-Jugend, Jugendverbände von Naturschutzorganisationen, Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr. Diese erreichen nach Angaben des Dachverbands jährlich mehr als 200 000 Kinder und Jugendliche.

(dpa)