| 21:40 Uhr

Gesundheit
Die übertriebene Angst vor dem unbekannten Virus

Trier. Trier ist bei Chinesen beliebt – vor allem wegen des Geburtshauses von Karl Marx. Die Mitarbeiter dort haben keine Sorge vor eventuell infizierten Besuchern. Von Bernd Wientjes

In Berlin wurde eine Chinesin rassistisch beleidigt, bespuckt, an den Haaren zu Boden gerissen, geschlagen und getreten. Die 23-Jährige wurde verletzt und musste ins Krankenhaus. Die Angreiferinnen flüchteten. Die Polizei ermittelt. Hintergrund der Attacke war wohl die Angst vor dem Coronavirus. Die chinesische Botschaft in Berlin warnt vor einer rassistischen Stimmung in der deutschen Gesellschaft. Der Epidemie-Ausbruch dürfe nicht als „Ausrede für Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit genutzt werden“, heißt es auf der Internetseite der Botschaft.

Wie erleben Chinesen in Trier die derzeitige Stimmung? Im Karl-Marx-Haus in Trier, das jährlich von mehreren Tausend Chinesen besucht wird, hat man von Anfeindungen oder Vorurteilen gegenüber chinesischen Besuchern noch nichts mitbekommen – allerdings ist es im Moment dort auch eher ruhig. Zwei Reisegruppen aus China haben ihren Besuch abgesagt wegen des Coronavirus beziehungsweise der Infektionsgefahr. Die Mitarbeiter seien nicht beunruhigt oder hätten Angst, sich bei Besuchern mit dem Virus zu infizieren, sagt Museumsleiterin Elisabeth Neu. Sie habe sich noch mal beim Leiter des Trierer Gesundheitsamtes, Harald Michels, erkundigt, wie groß die Gefahr einer Ansteckung sei. Auch von dort habe es geheißen, dass die Gefahr bei Einhaltung von selbstverständlichen Hygienemaßnahmen (regelmäßiges Händewaschen) gering sei. Auf das Tragen von Mundschutz verzichteten die Mitarbeiter des Karl-Marx-Hauses, sagt Neu. Zumal dieser nichts bringt, wie die Landesapothekerkammer mitteilte. Um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, brauchten Gesunde in Deutschland nach derzeitigem Wissensstand keine Atemschutzmasken. Viele Patienten ließen sich durch Berichte in den Medien oder dem Internet verunsichern.

Und diese Unsicherheit führt bei einigen wohl dazu, dass sie derzeit Chinesen in der Öffentlichkeit mit Zurückhaltung und auch Angst begegnen. Ramphung Laosid hat diese Erfahrung bisher noch nicht gemacht. Sie betreibt ein paar Meter neben dem Karl-Marx-Haus seit mehr als zehn Jahren den Saigon Store. „Lediglich ein Mann hat sich in der vorigen Woche erkundigt, ob und welche Waren wir aus China importieren. Aber wir haben gar keine Lebensmittel oder Waren aus China – alles in meinen Regalen kommt aus Thailand, Vietnam oder Süd-Korea“, sagt die 52-Jährige, die seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt. Es kämen auch nicht weniger Kunden in den Laden seit Ausbruch des Coronavirus, sagt die gebürtige Thailänderin. Auch Chinesen, die in Trier lebten, kämen nach wie vor in den Saigon Store. Eine aus China stammende 60-jährige Trierer Geschäftsfrau hat hingegen bereits negative Erfahrungen gemacht: „Ein Mann, etwa 40, hat mich auf der Straße erst schräg angeschaut, dann eine Hand vor den Mund gehalten und mit der anderen eine abweisende Geste gemacht. Ich fand das sehr beleidigend und diskriminierend.“ Glücklicherweise sei das aber ein für sie bislang einmaliger Vorfall gewesen.



Von Anfeindungen gegen Studenten oder Mitarbeiter, die aus China stammen, ist an der Uni Trier nichts bekannt. Einige der Studierenden halten sich derzeit in China auf oder waren dort, so die Uni. Eine Studentin war in Wuhan. Dort hat die Epidemie ihren Ursprung. Seit vergangenem Samstag befinde sich die junge Frau zusammen mit über 100 anderen Deutschen in Germersheim in Quarantäne. Laut Uni gehe es ihr gut. Eine weitere, ausländische Studentin der Uni sei von China in ihr Heimatland zurückgekehrt. Ein Student befinde sich noch in Shanghai und wolle dort vorerst bleiben.