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Die Stimme aus dem Nichts

Volker Wissing hat offensichtlich viel Zeit. Fast jeden Tag meldet sich der liberale Politiker aus dem pfälzischen Landau zu Wort.

Eine Pressemitteilung nach der anderen erreicht die Redaktionen. Der FDP-Landesvorsitzende wettert gegen den Verkaufsprozess des Nürburgrings, er schimpft über den "Totalausfall" der grünen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, er motzt über den Verlauf der Energiewende in Rheinland-Pfalz, er bezeichnet die Senkung des Rundfunkbeitrags als Enttäuschung, er stichelt gegen die "große Koalition des Geldausgebens" in Berlin. Nebenbei zwitschert der 43-Jährige fleißig beim Kurznachrichtendienst Twitter. Kurzum: Nichts und niemand scheint vor der Stimme aus dem Nichts sicher. In der politischen Versenkung sind die Liberalen verschwunden, seit sie im September vergangenen Jahres erstmals aus dem Bundestag geflogen sind. In Rheinland-Pfalz währt die außerparlamentarische Opposition schon seit 2011. Wissing ficht des Wählers kalte Schulter offenbar nicht an: Er preist die Vorzüge seiner Partei stets in den höchsten Tönen. Sein Fazit liest sich so: "Die FDP bereitet sich mit aller Kraft darauf vor, die wirtschaftspolitische Lücke in Rheinland-Pfalz 2016 wieder zu schließen." Dann ist die nächste Landtagswahl. Von einer Seite wird Wissing fleißig getätschelt: CDU-Chefin Julia Klöckner ließ diese Woche wissen, sie wünsche sich die Liberalen im Landtag zurück. Kein Wunder, hätte die Union doch wieder einen meist bevorzugten Koalitionspartner. Die andere Seite schweigt. Mit Reaktionen würden SPD und Grüne der FDP nur unnötig Aufmerksamkeit verschaffen.