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Sturm
Die eine Schule hat auf, die andere nicht

Mainz . Eltern sollen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder heute zum Unterricht schicken. Arbeitnehmer dürfen übrigens nicht einfach zu Hause bleiben. Von Bernd Wientjes

(wie/red) Bei den Betreibern von Linienbusverkehr in Rheinland-Pfalz gibt es Unmut. Sie kritisieren teilweise, dass das rheinland-pfälzische Bildungsministerium angesichts der Sturmwarnungen kein generelles Schulfrei für den heutigen Montag angeordnet hat. Wie etwa die Stadt Aachen. Diese hat entschieden, dass alle Schulen wegen des Sturms geschlossen bleiben. Die für den Schulbusverkehr zuständigen Unternehmen wurden vorab darüber informiert. Eine klare Entscheidung – die so mancher Betreiber von Linienbussen vermisst.

Laut eines Sprechers der für die Schulen in Rheinland-Pfalz zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist es den Schulen überlassen, ob sie aufgrund des Wetters den Unterricht ausfallen lassen oder nicht. Es gebe dazu keine Vorgaben. Das führte im Laufe des Sonntags dazu, dass die Schulen ganz unterschiedlich mit der Sturmwarnung umgegangen sind.

In der rheinland-pfälzischen Schulordnung ist geregelt, wann der Unterricht etwa wegen Unwetters ausfallen darf. Im Paragraf 33 heißt es: „Erschweren außergewöhnliche wetterbedingte Umstände (z.B. Hochwasser, Glatteis oder Windbruch) den Schulbesuch in erheblichem Maße, so entscheiden die Eltern, ob der Schulweg zumutbar ist. Fällt der gesamte Unterricht für die Schülerinnen und Schüler aus, so sollen die Eltern nach Möglichkeit darüber unterrichtet werden. Die Grundsätze regelt die Schulleiterin oder der Schulleiter mit Zustimmung des Schulelternbeirats und im Benehmen mit der Vertretung für Schülerinnen und Schüler.“



Anders als bei Schülern ist es Arbeitnehmern bei  Unwetter und Sturm nicht freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen. Gibt es sturmbedingte Verkehrsbehinderungen oder verspäten sich Züge, müssen Beschäftigte trotzdem pünktlich sein. „Grundsätzlich ist es so, dass der Arbeitnehmer das sogenannte Wegerisiko trägt“, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Das bedeutet, dass Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich sind, rechtzeitig bei der Arbeit zu sein. „Wenn nicht, gilt aus rechtlicher Perspektive: Ohne Arbeit kein Lohn“, sagt Bredereck. Es kann also sein, dass Pendler, die feststecken oder erst später ins Büro kommen können, kein Gehalt bekommen für die Zeit, in der sie nicht da waren. Der erste Schritt sei aber immer, dem Arbeitgeber anzubieten, etwa zuhause zu arbeiten – oder die verlorene Zeit nachzuholen.