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Umgang mit jungen Asylbewerbern
Diakoniepfarrer Bähr gegen generelle Alterstests für Flüchtlinge

Diakoniepfarrer Albrecht Bähr.
Diakoniepfarrer Albrecht Bähr. FOTO: Evangelische Kirche der Pfalz
Speyer/Mainz/Kandel. Von Alexander Lang

Der Sprecher der drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz, Albrecht Bähr, hat sich gegen generelle Alterstests für junge Flüchtlinge ausgesprochen. In besonderen Einzelfällen, wie bei Verbrechen, seien medizinische Überprüfungen jedoch notwendig, sagte der aus Kirkel stammende pfälzische Diakoniepfarrer in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ganz selbstverständlich sei es, dass der dringend tatverdächtige Flüchtling, der im südpfälzischen Kandel eine 15-Jährige erstochen haben soll, auf sein Alter hin untersucht werde. Der Afghane war ohne Ausweispapiere nach Deutschland eingereist und gibt sein Alter mit 15 Jahren an, daran sind Zweifel laut geworden.

Durch medizinische Tests könne allerdings nicht völlig sicher das Alter festgestellt werden, gab Bähr zu bedenken. Zudem sprächen gesundheitliche Gründe wie eine Strahlenbelastung beim Röntgen dagegen. Bähr appellierte zu mehr Ruhe bei der Diskussion um den Zuzug von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. In Rheinland-Pfalz gehe deren Zahl eher zurück, es gebe Einrichtungen, die wieder über freie Plätze für deren Aufnahme verfügten. Zudem seien viele Flüchtlinge, die minderjährig ins Land gekommen seien, mittlerweile 18 Jahre alt und damit volljährig. Ziel müsse es nun sein, die jungen Menschen besser in die Gesellschaft zu integrieren.

Der Diakoniesprecher kritisierte, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung bisher keinen klaren Plan für die Integration junger Flüchtlinge habe. Auch wie die Regelversorgung nach der Phase der Erstaufnahme gestaltet und finanziert werden solle, sei nicht eindeutig geregelt. Die Träger von Einrichtungen der Flüchtlingshilfe wie die Diakonie benötigten dringend mehr staatliche Unterstützung. „Die Probleme sind groß, werden größer und wir haben nicht genügend Ressourcen“, sagte Bähr. Wenn nicht mehr in die Betreuung und Bildung junger Flüchtlinge investiert werde, drohten sie später zu Sozialhilfeempfängern zu werden.



Als beschämend bezeichnete Bähr die Diskussion um den Familiennachzug für junge Flüchtlinge. Es sei „inhuman und einer Demokratie unwürdig“, wenn es Familienangehörigen verwehrt werde, zu ihren geflüchteten minderjährigen Kindern nach Deutschland nachzureisen. Ohne das „Kindesrecht“ der Familienzusammenführung könne eine wirkliche Integration nicht funktionieren. Die infrage kommende Zahl der Zusammenführungen sei nicht groß, sagte Bähr.

Kirche und Diakonie seien weiter besonders gefordert, für Flüchtlinge einzutreten und gegen populistische Stimmungsmache gegen Migranten „deeskalierend“ anzugehen, sagte Bähr. Glaubwürdig müsse eine gute Integrationspolitik und ein menschenwürdiger Umgang mit Flüchtlingen eingefordert werden: „Unsere evangelische Botschaft ist ein klares Ja für jeden Menschen.“

(epd)