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Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz aus Mainz
Deutscher Umweltpreis für den Frosch-Macher

 Reinhard Schneider (rechts) im neuen Produktionszentrum seiner Firma.
Reinhard Schneider (rechts) im neuen Produktionszentrum seiner Firma. FOTO: dpa / P!elmedia
Mainz. Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz, will die Branche der Haushaltspflege- und Reinigungsmittel dazu bewegen, nur noch Verpackungen aus recyceltem Kunststoff zu verwenden.

Wenn Reinhard Schneider aus seinem Chefzimmer schaut, sieht er Rauch aus dem blau-weißen Schlot des Müllheizkraftwerks aufsteigen. „Hier wird aus frischem Erdöl hergestelltes Plastik sinnlos zu CO2 verbrannt“, schimpft der Inhaber des Familienunternehmens Werner & Mertz. Mit Leidenschaft tritt Schneider für eine Kreislaufwirtschaft bei Plastikverpackungen ein und zeigt die Reinigungsprodukte in Verpackungen aus Kunststoff-Rezyklat, wiederverwertetem Plastik aus der gelben Tonne. Aus seinem Sakko lugt ein grüner Frosch heraus, das Markenzeichen seines Unternehmens.

Für diese und andere Initiativen wird Schneider jetzt mit dem Deutschen Umweltpreis 2019 ausgezeichnet, zusammen mit Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner von der Technischen Universität München. Obwohl die Produktionskosten für recyceltes Plastik bis zu 20 Prozent höher seien, habe Schneider schon 2012 eine Rezyklat-Initiative ins Leben gerufen mit Partnern aus Industrie, Handel und Nichtregierungsorganisationen, heißt es in der Würdigung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Der Mainzer Unternehmer zeige, „dass es auch anders geht“.

„Ich will Nachhaltigkeit aus der Nische zur Mainstream-Tauglichkeit bringen“, sagt Schneider. Doch die großen Hersteller der Branche wie Procter & Gamble oder Henkel hielten sich zurück, weil sie die höheren Kosten scheuten, „ein paar Cent pro Flasche“. Die Branchenführer ruft er dazu auf, „Teil der Lösung zu werden, statt Teil des Problems zu bleiben“. Allerdings hat er sich bei den großen Konzernen keine Freunde gemacht – strittige Werbeaussagen zur Umweltverträglichkeit von Verpackungen sind Gegenstand mehrerer Verfahren zwischen Werner & Mertz sowie Procter & Gamble (P&G) gewesen.



Auch P&G setze „in großem Umfang Rezyklat aus haushaltsnaher Sammlung“ ein, erklärt dazu ein Sprecher der deutschen Niederlassung. „Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Menge des verwendeten Rezyklats zu steigern.“ Ein neues Verfahren, um Plastik besser sortieren und verwerten zu können, stehe vor der industriellen Erprobung.

Er scheue sich nicht vor Konflikten, sagt Schneider mit Blick auf die Gerichtsverfahren. „Wir sind nicht in jedem Detail perfekt, aber wir sind bei der Nachhaltigkeit in der Summe dramatisch weiter als alle anderen.“ Was treibt ihn dazu an? „Familienunternehmer haben einen längeren Planungshorizont“, antwortet Schneider. „Ich will am Ende des Tages ein sinnstiftendes Unternehmen an die nächste Generation übergeben“, sagt der Vater von zwei Kindern.

„Seit über 35 Jahren arbeiten wir an dem Thema“, erklärt der Firmeninhaber. „Wir haben es geschafft, das unsere komplett ökologisch ausgerichteten Produkte im Grundnutzen nicht schwächer sind als konventionelle Erzeugnisse.“ Besonders stolz ist er auf das 2010 eröffnete Verwaltungsgebäude mit auffälligen Windkraft-Rotoren auf dem Dach. Zusammen mit Sonnenenergie und geothermischer Grundwassernutzung erzeuge das Gebäude 20 Prozent mehr Energie, als für den laufenden Betrieb benötigt werden. In Mainz wird das große Werk am Rhein nach seinem Traditionsprodukt zur Schuhpflege oft nur „die Erdal“ genannt, auch wenn die Marke Frosch längst wichtiger für das Unternehmen geworden ist.

Das Unternehmen vereine in besonderer Weise soziale Verantwortung, Ökonomie und Ökologie, indem es auf innovative Nachhaltigkeit setze, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zur Preisverleihung.

Schneider ist bei den „Entrepreneurs For Future“, einer Gruppe von Unternehmern, die sich für die Ziele der Schülerbewegung „Fridays for Future“ engagieren. Er könne sehr gut verstehen, dass die junge Generation langsam die Geduld verliere, sagt Schneider. „Unsere Generation wird vom Klimawandel ein bisschen betroffen sein. Ihre Generation wird deutlicher betroffen sein, da hat man nicht mehr so viel Geduld.“