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Kriminalität
Der mysteriöse Mister X.

 In einem ehemaligen Bundeswehrbunker in Traben-Trarbach sollen illegale Internetgeschäfte abgewickelt worden sein.
In einem ehemaligen Bundeswehrbunker in Traben-Trarbach sollen illegale Internetgeschäfte abgewickelt worden sein. FOTO: dpa / Oliver Berg
Traben-Trarbach. Nach jahrelangen Ermittlungen hoben Fahnder Ende September einen Cyberbunker in Traben-Trarbach aus. Ein Niederländer gilt als Drahtzieher der kriminellen Machenschaften. Von Bernd Wientjes

Der Einsatz war von langer Hand vorbereitet, trotzdem kam er für die mutmaßlichen Täter überraschend. Am 26. September schlugen die Fahnder in Traben-Trarbach zu. Mehrere Hundert Polizisten, unterstützt von der GSG 9, der legendären Spezialeinheit der Bundespolizei, stürmten sie einen hoch bewachten, ehemaligen Bundeswehrbunker am Rande der Moselstadt.

 Gleichzeitig warteten Zivilfahnder in einer Pizzaria in der Innenstadt auf den Niederländer Herman X. und sein Gefolge. X. hatte den fünf Stockwerke in die Erde gehenden Bunker 2013 gekauft. Für 350 000 Euro. Um in der seit 2007 leerstehenden Immobilie, wie aus dem entsprechenden Handelsregisterauszug hervorgeht, ab 13. Januar 2013 mit seiner Firma Calibour GmbH ein Rechenzentrum zu betreiben. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verkaufte das riesige Areal, in dem die Bundeswehr ihr Amt für Wehrgeophysik mit samt einem Rechenzentrum betrieben hat, an den Niederländer  trotz Warnung des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA). Dieses hatte X. schon länger auf dem Schirm, weil er auch in seinem Heimatland ein Rechenzentrum in einem ehemaligen Nato-Bunker betrieben hat. Unter dem Namen Cyberbunker soll er dort Kriminellen Rechnerkapazitäten angeboten haben, um illegale Internetgeschäfte abzuwickeln. Das LKA befürchtete, dass X. das auch in Traben-Trarbach plante.

Und so liefen quasi seit der Inbetriebnahme des unterirdischen Rechenzentrums die verdeckten Ermittlungen der Polizei und der gerade neu eingerichteten Zentralstelle für Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Die Fahnder mussten jedoch erst einmal nachweisen, dass X. und seine Leute tatsächlich Kriminellen eine Plattform bieten und auch davon wussten, dass dort über die im Traben-Trarbacher Cyberbunker laufenden Internetseiten illegale Geschäfte abgewickelt wurden. Immerhin handelte es sich bei dem Rechenzentrum um einen sogenannten Bulletproof-Hoster, also ein Rechenzentrum, das seinen Kunden Schutz vor staatlichen Zugriff zusicherte. Allein das Betreiben eines solchen Rechenzentrums ist aber nicht strafbar.



Spezialisten des LKA gelang es dann aber, sich in den Datenverkehr des Cyberbunkers einzuhacken. So entdeckten sie dann, dass über das Rechenzentrum international agierende Kriminelle Internetseiten betrieben, auf denen Drogen, gefälschte Dokumente, gestohlene Daten, Kinderpornos und Waffen vertrieben. Auch Hackerangriffe etwa auf die Telekom sollen von dort aus gesteuert worden sein.

Fünf Jahre nach Beginn der Ermittlungen schlugen die Fahnder dann Ende September zu und nahmen den offenbar völlig überraschten X. und sechs mutmaßliche Komplizen fest. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Gegen insgesamt 13 Beschuldigte laufen die Ermittlungen seitdem.
Aber auch die Fahnder waren überrascht, als sie in den Bunker kamen. Über 200 Server stellten sie dort sicher. Wochenlang waren Experten von LKA und der Polizei auf dem Gelände damit beschäftigt, das Inventar sicherzustellen, zu katalogisieren und mit der ersten Auswertung der Unmenge von Daten zu beginnen. Diese Arbeit wird vermutlich noch Monate dauern. Es wird damit gerechnet, dass Anfang kommenden Jahres Anklage gegen die Beschuldigten erhoben wird. Wann und wo es zum Prozess kommen wird, steht noch nicht fest. Aber die Verhandlung dürfte etliche Monate dauern.