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Datensammlung soll Krebs besiegen helfen

 Am Computermonitor wird eine Auffälligkeit in einer weiblichen Brust entdeckt. Foto: Friso Gentsch/dpa
Am Computermonitor wird eine Auffälligkeit in einer weiblichen Brust entdeckt. Foto: Friso Gentsch/dpa FOTO: Friso Gentsch/dpa
Mainz. Bundesweit sollen die Länder-Krebsregister künftig zusammenarbeiten, um der tödlichen Krankheit gemeinsam den Kampf anzusagen. In Rheinland-Pfalz erkranken im Laufe des Lebens jeder zweite Mann und 43 Prozent aller Frauen. Florian Schlecht

Drei Worte veränderten das Leben von Yamina Cherair entscheidend: "Sie haben Krebs." Diesen Satz hörte die Frau im Jahr 2007, als ein Arzt Brustkrebs diagnostizierte. Doch die 45-Jährige bekämpfte die tödliche Krankheit mit Erfolg. Sie überstand eine Operation, behielt die betroffene Brust - und ist inzwischen gesund. Doch die Sorgen lassen sie nicht los: "Vor jeder Kontrolle habe ich Angst, dass die Krankheit zurückkehrt", sagt sie.

Denn Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache im Land. Das belegt auch der neue rheinland-pfälzische Krebsreport, der zeitverzögert Daten vorstellt - in dem Fall sind die von 2013 die aktuellsten. Fast 33 000 Menschen erkrankten in dem Jahr im Land an Krebs, 19 335 Patienten starben an der Krankheit, 522 davon in Zweibrücken. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD ) rechnet damit, dass die Zahl der Neuerkrankungen künftig steigt, weil die Gesellschaft immer älter werde.

Mit einem Krebsregister will die Landesregierung helfen, die Betreuung von Patienten zu verbessern - und so im besten Fall Leben retten. Bislang wurde nur die Häufigkeit von Erkrankungen erfasst. Künftig sammelt die Einrichtung in Mainz auch Daten zur Behandlung und dem Verlauf der Krebserkrankung, die Ärzte weiterleiten müssen. Das erklärte Ziel: Künftig sollen die Krebsregister in allen Bundesländern gegenseitig auf Daten zugreifen und diese Medizinern zur Verfügung stellen können, um so wiederum abgestimmte Therapien für Patienten zu finden, sagt Sylke Zeißig, die ärztliche Leiterin des Krebsregisters. Vorgabe sei es, dass bis Ende des Jahres 90 Prozent der Erkrankungen gemeldet würden, berichtet Zeißig.



Dieter Kugelmann verfolgt, wie das Register mit den Patientendaten umgeht. Der Landesdatenschützer sagt, Risiken wie einen Hacker-Angriff könne man nicht ausschließen. Der Datenschutz werde aber beim Vorgehen des Registers eingebunden. "Der Patient muss sich keine Sorgen machen." 3,1 Millionen Euro investieren die gesetzlichen Kassen jährlich in das rheinland-pfälzische Krebsregister, 914 000 Euro steuert das Land 2017 bei. Lungenkrebs lautete die niederschmetternde Diagnose, die eine 57-jährige Rheinland-Pfälzerin im Sommer 2013 verdauen musste. Die Lage war dramatisch. Der Tumor war schon weit ausgedehnt, eine Chemotherapie sollte das Geschwulst verkleinern, um es dann durch eine Operation endgültig zu entfernen. Doch die Frau litt an den Nebenwirkungen der Medikamente. Sie brauchte ein neues Mittel, die Operation lief erfolgreich. Zwei Jahre später musste die 57-Jährige erneut zum Arzt, weil Krebs die Eierstöcke befallen hatte. Da die Ärzte von dem Verlauf der ersten Erkrankungen wussten, verpassten sie ihr gleich das richtige Mittel für die Chemotherapie . Heute ist die Frau gesund. Für Sylke Zeißig, ärztliche Leiterin des Krebsregisters in Mainz , zeigt der Fall, warum es sinnvoll ist, Daten über Behandlungen von Patienten zu sammeln und Medizinern zur Verfügung zu stellen. So wie es die Stelle in Mainz in diesem Jahr angeht.

Wie groß ist die Bedrohung durch Krebs?

Laut rheinland-pfälzischem Krebsreport erkranken im Laufe des Lebens jeder zweite Mann und 43 Prozent aller Frauen . Der Bericht, der mit Zahlen aus dem Jahr 2013 arbeitet, zeigt: Mehr als 19 000 Menschen starben in dem Jahr an der Krankheit, Männer zumeist an Lungenkrebs , Prostatakrebs (735) und Darmkrebs (662), Frauen an Brustkrebs (887), Lungenkrebs (811) und Darmkrebs (592).

Was ändert sich mit dem Krebsregister?

Das Krebsregister im Land hat das Ziel, Daten zur Behandlung, Therapie und Heilung von Patienten zu sammeln. Bislang fasste es nur zusammen, wie hoch das Aufkommen von Krebs in den einzelnen Regionen des Landes ist - und welche Form der Krankheit besonders häufig auftritt. Die 16 Krebsregister sollen ihre Erkenntnisse untereinander austauschen, um bundesweit ein großes Datennetz zu haben.

Welche Vorteile bietet das Register dem Patienten ?

Babette Simon von der Unimedizin Mainz sagt, die Werte könnten behandelnden Ärzten helfen, Therapien gezielt auf Patienten abzustimmen und zu prüfen, wie Behandlungen im bundesweiten Vergleich anschlagen. Das Register könne auch Einblicke geben, in welchen Einrichtungen Krebs besonders erfolgreich behandelt werde. Patienten profitierten auch, wenn sie nach einer Erkrankung umgezogen seien oder wenn alte Unterlagen fehlten, sagt Zeißig: "Ärzte können über das Register dann schnell nachvollziehen, wie der Krankheitsverlauf war."

Wie kommt das Krebsregister an die Daten?

Behandelnde Ärzte und Kliniken sollen die Daten an das Krebsregister weiterleiten. Momentan noch in Form eines Fragebogens, künftig über ein elektronisches Meldeportal. Derzeit werbe das Krebsregister noch dafür, die Angaben weiterzuleiten. Gesetzliche Sanktionen drohen Ärzten in Rheinland-Pfalz bislang nicht, sollten sie der Meldepflicht nicht nachkommen. In Hamburg könnte Medizinern in einem solchen Fall dagegen eine Strafe von bis zu 50 000 Euro winken.

Zum Thema:

Stichwort Das Krebsregister Rheinland-Pfalz wird seit 2014 als eigenständige gemeinnützige GmbH (gGmbH) geführt. Gesellschafter sind zu 60 Prozent das Land Rheinland-Pfalz und die Universitätsmedizin Mainz . Seit über 20 Jahren werden im Krebsregister die epidemiologischen Daten, also Auftreten und Häufigkeit von mehr als 27 Krebsarten, erfasst. Die 32 Mitarbeiter des Krebsregisters stellen die Erfassung zurzeit um, um auch klinische Angaben zu Behandlung und Verlauf aufzunehmen. Für die Forschung und die Öffentlichkeit werden die Daten anonymisiert; nur behandelnde Ärzte erhalten Zugriff auf die Krankheitsgeschichte ihrer Patienten . dpa krebsregister-rlp.de