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E-Reviere öffnen ihre virtuellen Türen
Das Polizeirevier wandert ins Netz

Bei der Polizei von Niedersachsen gibt es die Möglichkeit von Online-Anzeigen bereits seit rund elf Jahren.
Bei der Polizei von Niedersachsen gibt es die Möglichkeit von Online-Anzeigen bereits seit rund elf Jahren. FOTO: Holger Hollemann / picture alliance / Holger Hollem
Mainz. Beim Thema Online-Wache ist Rheinland-Pfalz Nachzügler unter den deutschen Bundesländern. Aber auch das Musterländle der inneren Sicherheit hinkt hinterher.

Wer bei der Polizei eine Anzeige aufgeben will, weil ihm etwa der Geldbeutel oder das Fahrrad gestohlen wurden, muss Zeit mitbringen. Je nach Tageszeit und Art des Delikts geht für den Betroffenen schnell mal eine Stunde drauf – An- und Abfahrt nicht eingerechnet. Da klingt es doch fast schon verlockend, dass demnächst auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland sogenannte Online-Wachen oder eReviere ihre virtuellen Türen öffnen. Wer mag, kann das gestohlene Fahrrad dann auch vom heimischen Computer aus anzeigen, ohne dafür den Trainingsanzug ausziehen zu müssen. In anderen Bundesländern ist das schon teilweise seit über einem Jahrzehnt möglich; Rheinland-Pfalz, das Saarland, aber auch der sich ansonsten gerne so modern gebende Freistaat Bayern zählen zu den Nachzüglern. Dort soll auch erst in diesem Jahr eine Online-Wache ihren Dienst aufnehmen, kündigte jüngst der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an.

Dabei sollen zunächst auch nur ausgewählte Delikte übers Internet angezeigt werden können.  Darunter fallen etwa Fahrraddiebstähle, Internet-Betrügereien und Sachbeschädigungen an Fahrzeugen. Bei einem Fahrraddiebstahl könne sowieso in der Regel nicht mehr als die Rahmennummer an die Polizei weitergegeben werden, sagt Herrmann.

Da irrt der bayerische Innenminister allerdings. Wer beispielsweise auf der Online-Wache der hessischen Polizei einen Fahrraddiebstahl melden will, muss allein zum gestohlenen Rad zwei Dutzend Fragen über Hersteller, Modell, Rahmennummer, Farbe oder Bereifung beantworten. Aber auch wo das Fahrrad abgestellt oder ob es wie gesichert war, wollen die virtuellen Beamten wissen. Hinzu kommen noch detaillierte Angaben über Anzeigenerstatter,  Tatort und Tatzeit, die ebenfalls abgefragt werden. Und natürlich – ganz wie auch auf einer regulären Wache mit echten Polizisten – muss auch der Online-Anzeigenerstatter versichern, dass er etwa über die Folgen vorsätzlich falsch gemachter Angaben belehrt worden ist.



Eher nach dem Motto kurz und bündig ist dagegen die Online-Wache in Sachsen-Anhalt aufgebaut. Nach wenigen Angaben zur Person und dem Sachverhalt heißt es auf der dortigen Seite bereits: Anzeige abschicken, fertig! Anders als beim Abfragekönig Hessen dürften dort allerdings die Sachbearbeiter bei der Polizei später noch einige Nachfragen haben.

„Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass die Ihrem PC zugeteilte IP-Adresse aufgezeichnet wird, sodass Sie im Falle eines Missbrauchs  ermittelt werden können“, heißt es auf der Seite der hessischen Polizei. Ähnliche Hinweise oder Einschränkungen gibt es auch auf den Internetseiten der anderen Online-Wachen. So heißt es etwa auf der Seite der niedersächsischen Polizei, die  virtuelle Wache sei nicht für die Entgegennahme von Notrufen geeignet. Das soll auch in Rheinland-Pfalz gelten. Wer einen Notruf absetzen wolle oder eine dringende Sache habe, sollte nach wie vor die Telefonnummer 110 wählen, rät der rheinland-pfälzische Landesgeschäftsführer der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Faber.

Von wem das rheinland-pfälzische eRevier betreut wird, steht offenbar noch nicht definitiv fest. Gewerkschaftsfunktionär Ernst Scharbach von GdP hält es für wahrscheinlich, dass die virtuelle Wache beim rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt aufläuft. Von dort könnten die übers Internet eingegangenen Strafanzeigen dann je nach Zuständigkeit an die einzelnen Polizeipräsidien verteilt werden. Dort müssen dann zumindest die vom Anzeigenerstatter bereits eingegebenen Daten nicht noch einmal erfasst werden.

Eine Art Online-Wache light gibt es übrigens in Rheinland-Pfalz bereits, wie der Sprecher des Mainzer Innenministeriums, Joachim Winkler, anmerkt. Wer wolle, könne bei der Polizei ja schon heute per E-Mail Anzeige erstatten.